Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 520
(PDF, 162 MB)
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DIE X. INTERNAT. KUNSTAUSSTELLUNG IM MÜNCHNER GLASPALAST

Tooby Rosenthal, die sich alle in ihrem
längst bekannten Stoffkreis bewegen, Grützner
, der diesmal motivlich nicht besonders
glücklich war: das Dramatische, wenn auch
im Komisch-Anekdotischen, liegt ihm nicht,
idyllische Behäbigkeit ist nun einmal sein
Teil, ferner ist Petersen hervorzuheben,
dessen prächtig im Raum sitzendes, machtvoll
dahersegelndes Hochseeschiff (Abb. S. 513)
einen tiefen Eindruck macht, P.W.Ehrhardt,
der sich in das Porzellan mit seinen weichen,
fluktuierenden Lichtern verliebt hat, Grassel,
der immer wieder seine Gänse und Enten
lustig im Wasser patschen läßt und diesem
Spiel viele koloristische Reize abgewinnt,
Schräg und Multerer mit hübschen Interieurs
; Gaisser hat ein großes, naturalistisch
gemaltes Triptychon da, das die Verehrung
der Heiligen Blut-Reliquie in Brügge darstellt.
Endlich ist noch auf O'lynch ofTowns Stadtmotive
(Abb. S. 516) hinzuweisen, die gleichfalls
aus dem malerischen Brügge geholt sind,

EMIL EPPLE

Glaspalast München 1909

und auf die ausgezeichnet gemalten, bei aller
Subtilität der Details doch großzügig wirkenden
Köpfe alter Bäuerinnen und eines alten Mannes,
die Georg Schildknecht ausstellt. Seine
Kunst scheint die Synthese aus alten fränkischen
oder schwäbischen Meistern und — Wilhelm
Leibi zu sein. Eine gute Komposition,
eine „Judith", teilweise auch altmeisterlich anmutend
, hat ein bei der Genossenschaft ausstellender
Linzer, Albert Ritzberger, gebracht.

Von den deutschen Kunstzentren, deren
Leute bei der Genossenschaft ausstellen, ist
Dresden besonders gut vertreten, gut in jedem
Sinne. Arbeiten wie die „Böhmischen
Dorfmusikanten" von W. Claudius (Abb.
S. 521), das „Lampionfest" von Ferdinand
Dorsch und die „Hochzeit auf Fano" von Aug.
Wilckens, alle drei Arbeiten ausgesprochene
Beleuchtungsstücke, lassen auf eine sozusagen
atmosphärische lokale Kunsteigenart mit bestimmten
Charakteristicis, von denen ein sehr
farbenfreudiger Kolorismus das hervorster
chendste ist, schließen. Berndt
zeigt uns einen wundervollen Sommertag
und Eugen Bracht führt
uns in die majestätische Wildnis des
Hochgebirgs, den tiefsten Eindruck
aber und den nachhaltigsten, ja vielleicht
den stärksten, den uns die
ganze Ausstellung zu geben vermag
, verdanken wir Hanns Hanner
und seinem Bilde „Das Erwachen
" (Abb. S. 516). Es ist ein
grandioser Ausdruck der Tragödie
der Pubertät. Zwei nackte, noch
unentwickelte, überschlanke Menschen
, ein Knabe und ein Mädchen,
stehen in einer ganz flüchtig, aber
doch nicht ohne eine gewisse Natursymbolik
behandelten Landschaft
: sie schauen sich an mit
hungrigen Augen, aber zwischen
ihnen liegt das Unüberwindliche,
und so verzehren, versehnen sie
sich . . . Wundervoll ist besonders
der Kopf des Mädchens gemalt; im
übrigen ließe sich am Rein-Malerischen
wohl manches aussetzen,
aber über der mitreißenden Stimmungsfülle
kommt man gar nicht
zu solchen Einwendungen gegen
das Technische. Zuletzt muß ich
auch noch auf das Kolossalbild
Hubert von Herkomers, der diesmal
bei den Deutschen ausstellt,
hinweisen: es stellt die vierzehn
Mitglieder der Jury der K. Akademie
der Künste in London, 1907,

SALOME

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