http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0607
DIE X. INTERNAT. KUNSTAUSSTELLUNG IM MÜNCHNER GLASPALAST
zu Feldbauers häßlichem liegenden Akt mit
der starken Verkürzung. Man weiß mit diesem
grau-gelben Unding im ersten Augenblick
nichts anzufangen, es hat etwas Abstoßendes,
und doch ist diese Arbeit eine der unverdrossensten
, zähesten des Künstlers, der all
sein Können und Wollen an die Bewältigung
dieser schweren Aufgabe hing, freilich ohne
sie zu lösen und ihre letzten Möglichkeiten
zu erschöpfen. Auch der Berliner E. R. Weiss
hat einen stark verkürzten weiblichen Akt
gebracht, recht zahm, wenn man ihn gegen
Feldbauers verunglücktes Geniestück hält.
Eine Versammlung männlicher Akte, weißer
und brauner, blonderund schwarzer, findet man
auf dem formatlich ins Kolossale gewachsenen
„Ringkampf" von Ernst Burmester (Abb.
S. 528), einer interessanten Malerei, die mir
nur ein wenig zu viel Anatomie atmet.
Im übrigen stellt die Secession ihre bewährten
Meister heraus. Albert von Keller
zeigt uns endlich das Bild, zu dem wir schon
verschiedene Studien sahen: eine Kreuzigung
, bei der aber an Stelle des Kruzifixus
die schmerzverzückte Maria in den Vordergrund
gerückt ist (Abb. S. 519). Die Schlaftänzerin
Madeleine war das Modell dieser
Maria, und eine ihrer hypnotischen Pantomimen
gab dem Künstler den Gedanken
dieses Bildes ein. Eine andere Kreuzigung,
mehr skizzenhaft, zeigt uns Albert Weisgerber
, der auch ein etwas idealisiertes
Selbstbildnis da hat. Bei Weißgerbers Kreuzigungsbild
mischen sich gewisse altmeisterliche
Stilmerkmale mit den kühnsten neuzeitlichen
Ausdrucksmitteln zu einem problematischen
, aber interessanten und in seiner
Richtung vorzüglichen Ganzen. Uhde zeigt
ältere und neuere Arbeiten, darunter wieder
ein sonniges Gartenstück. Angelo Jank
ERICH ERLER D I E HEILIGEN DREI KÖNIGE
Glaspalast München 1909
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