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-*=4^> BRIEFE EINES UNGARISCHEN PILOTY-SCHÜLERS <^*~
mir offen, es sei seiner Ansicht nach zu früh,
ein Bild zu beginnen, da mir die nötigen Vorstudien
fehlten, die ich unbedingt jetzt nachholen
müsse, da es später schweroderüberhaupt
unmöglich sei. Er riet mir, ich solle hauptsächlich
zeichnen, um die Erkenntnis der Formen
zu erlangen und mein Gedächtnis zu üben. Aus
diesem Grunde solle ich bei jeder Gelegenheit
malen als nebensächlich betrachten und ernstlich
bemüht sein, mir aus den Stichsammlungen
und Bibliotheken möglichst viel anzueignen
." Eine Szene aus dem deutschen
Volksbuch „Faust" gab Szinyei den Stoff zu
einer neuen Komposition, die er auf Makarts
und Benczurs Rat öfter übermalte, bis er schließlich
auch Pilotys Zufriedenheit erreichte.
den Gang, die Bewegungen und Stellungen
der Menschen beobachten und rasch skizzieren,
außerdem solle ich Kostüme, anatomische
Präparate und andre Dinge studieren und
zeichnen. Ich sah ein, daß mein Freund recht
habe. All dies fehlte mir, denn nach dem
akademischen System wird zum Nachteil der
andern Studien das Kopfmalen sehr intensiv
betrieben, und weil ich dort gute Erfolge
hatte, dachte ich zum Bildermalen übergehen
zu können. Jetzt aber werde ich das Kopf-
Nachher nahm dieser ihn in seine Schule
auf, wo er mit Leibi und Gabriel Max enge
Freundschaft schließend, die folgenden Jahre
mit ihnen verbrachte. Hier begann er eine
neue „Pan und Nymphe" betitelte Komposition
, an der er bis zur Erschöpfung arbeitete
, so daß er zur Erholung aufs Land gehen
mußte. Nach seiner Rückkehr begann er mit
neuer Kraft zu arbeiten. „Denn Piloty," —
schrieb er am 6. Juli 1868, — „nimmt es
ernst mit seiner Aufgabe, er versteht es, aus
Die Kunst für Alle XXIV.
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