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DIE DRESDENER AQUARELLAUSSTELLUNG
Dresden hat in diesem Jahre keine große Kunstausstellung
: im städtischen Ausstellungspalast
findet die große internationale photographische Ausstellung
statt. Dafür werden drei kleinere Kunstausstellungen
geboten, die jede etwas Besonderes
aufweisen. Ueber die zweite graphische Ausstellung
des Deutschen Künstlerbundes wurde schon berichtet
. Am 15. Mai eröffnete sodann der Sächsische
Kunstverein im akademischen Ausstellungsgebäude
auf der Brühischen Terrasse die bis Oktober dauernde
Große Aquarell-Ausstellung und am 25. Juni eröffnete
die Dresdener Kunstgenossenschaft in ihrem
neuen Künstlerhause ihre hier ebenfalls schon
besprochene erste Kunstausstellung, welche Malerei
, Plastik und Architektur umfaßt. Sie dauert bis
zum September. Die drei ersten Dresdener Aquarellausstellungen
in den Jahren 1887, 1889 und
1892, welche die Dresdener Kunstgenossenschaft
veranstaltet hatte, waren in mancher Hinsicht epochemachend
, aber auch der Sächsische Kunstverein
hat heuer seine Aufgabe mit Geschmack und Erfolg
gelöst. Architekt Martin Pietzsch hat die
Säle des akademischen Ausstellungspalastes erheblich
umgestaltet; ihm verdanken die Räume ihre
lichte, vornehme und zugleich freundlich intime
Wirkung. Ungemein leuchtend stehen auf den hellen
Wänden die Aquarelle und besonders der große Saal
wirkt so kräftig, daß man vor Oelgemälden zu stehen
glaubt. Die Eingangshalle beherrscht Franz von
Lenbach mit einer etwas reichlich bemessenen
Zahl von 25 Bildnissen
aus seinem
Nachlaß. Als glänzende
Beispiele lebendiger
Bildnisauffassung
und virtuoser
Mache seien
genannt die Bildnisse
des Frl. Mel-
bor mit ihrem Hund
und Coquelins des
Aelteren. Als Elitegruppe
vereinigt der
große, mehrfach geteilte
Hauptsaal
viele gediegene reife
Werke von wohlbekannten
Künstlern
und einige Bilder
jüngererTalente von
gestaltungsfähiger
Eigenart. Unter diesen
ragt J. Ufer,
vielleicht der begabteste
und selbständigste
frühere Schü-
lerGo thardtKuehls
in der Gruppe der
Elbier hervor; er
malte den Klassikersaal
im Japanischen
Palais zu Dresden,
einen tiefen Bibliotheksaal
, in dem ein
weißlackierter grüner
Polsterstuhl, ein
vergoldeter Tisch,
daran eine weißge- Emilie v. hallavanya
kleidete Dame Sitzt, Glaspalast München 1909
und eine weiße Büste eine interessante malerische
Perspektive vermitteln. Wolfgangmüller, der eine
starke Eigenart pflegt, hat den >Frühling im sächsischen
Erzgebirge« mit seltsamer Größe und fremdartigem
Reiz dargestellt. Zwei schwungvolle Bilder,
großzügig und feinfarbig, bietet Ludwig von Hofmann
in seinem >Blauen Moor« mit drei weiblichen
Gestalten und in dem >Wilden Hexentanz«. Artur
Kampf ist am stärksten in seinem >Verschämten
Modell«. Ein Gegenstück in kräftiger Farbe und plastischer
Lebendigkeit sieht man in M. Bernuths
»Kinderakt«. In flackernder Farbenpracht schwelgen
H. Looschen mit einer pikanten »Chansonette« und
H. von Bartels mit dem Virtuosenstück der im
Bett liegenden »Bretonischen Bäuerin«. Besser als
das malerisch herausgeputzte »Zimmer der Großmutter
« von M. Uth ist ein ruhiges »Gastzimmer
mit gedeckter Tafel« von R. Richter. Weht in
diesem etwas wie trauliche Stimmung, so steht die
1893 gemalte »Nähschule« von Max Liebermann
in sauberer Kühle da, und frische Sommerstimmung
atmet ein behagliches »Gartenzimmer« von H.Olde.
Als ein sehr sorgfältiger Schilderer erweist sich dagegen
mit seinem einläßlich durchgebildeten» Kircheninneren
« der Düsseldorfer H. Hermanns, während
der Dresdener Gotthardt Kuehl, der in einem
besonderen Kabinett ausstellt, Innenräume aus alten
Häusern und Kirchen, sowie einiges Landschaftliche
in seiner bekannten malerisch pikanten Weise darbietet
. Von der Gruppe der Elbier ist außer Ufer
Artur Bendrat mit einem frischen Bilde vom
»Danziger Fischmarkt« und A. Wilckens mit dem
Bild einer straff gefaßten »Jungen Frau von Fanö«
am besten vertreten. Gute malerische Qualitäten
entfaltet Hugo
Vogel in der Wiedergabe
einer »Arbeitergruppe
« und
eines »Mannes in
violettem Mantel«.
Nicht zu übersehen
ist Eugen Bracht
mit seinem klaren
Bild der »Riffelalp
im Schnee«. Bemerkenswerte
Landschaften
stammen
von Ludwig Dill,
Toni Stadler,Kaiser
,Eugen Kampf,
Ludwig Dett-
mann, ein vorzügliches
, groß gefaßtes
»Stilleben« von
Otto Fischer. Aus
einer Gruppe von
Münchnern, die den
Geschmack der »Jugend
« und des »Sim-
plizissimus« pflegen
, tritt besonders
mit scharf karikierenden
Bildern
Preetorius und
mit ziemlich affektierter
Mache
Weisgerber hervor
. Eine äußerliche
Uebereinstimmung
in Bezug auf die
grundsätzliche Farbenteilung
zeigen
Landschaften von
im kostüm
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