Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 536
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-s^> NEUE KUNSTLITERATUR - PERSONAL-NACHRICHTEN <^=^-

als an die phantastisch-heroischen an. Oft regt ihn
ein Wort, aus dem Zusammenhang genommen, zu
einer Illustration an, wie etwa dies: »Der Mond
gleich einem Silberbogen am Himmel neu gespannt«,
das der Vorwurf zu einem wundervoll zarten Nachtstück
wird. Stellt er die Gestalten des Stückes,
besonders die graziösen Damen Hermia, Helena,
Titania, in prächtig geschlossenen Zustandsbildern
vor uns hin, so haftet diesen Gestalten gar nichts von
>Theater« an und dadurch gelangen die Arbeiten zu
schönster Verinnerlichung; namentlich ihr keusches,
wundervoll zartes Kolorit hat mit Rampenlicht und
Kulisse nichts zu tun: man merkt es, daß dem
Künstler seine Inspirationen nicht von der Bühne
herab kamen, sondern daß sie Erscheinungen seiner
eigenen Phantasie, Neuschöpfungen sind. Damit
kommt Rackham auch zu jener höheren, erst in unseren
Zeiten auftauchenden Auffassung der Illustrationskunst
, für welche H. W. Singer die gute Formel
prägte: Sie sucht des Dichters Ausgangspunkt und
sein Ziel zu erfassen und nun die gleiche Wirkung
auf gleicher Grundlage mit den ihr eigenen Mitteln
der Linie, Fläche und Form zu erreichen.

Tschudi, Hugo von, Edouard Manet. 2. Aufl.
Mit 37 Abbildungen. M. 4.—. Berlin 1909, Bruno
Cassirer.

Tschudis meisterhafter Essay über den Vater
des französischen Impressionismus liegt mir in neuer
Auflage vor. Man liest die ausgezeichnete Arbeit
gerne zum zweiten Male und erfährt durch sie neuerdings
eine Bereicherung; denn sie bedeutet ja nicht
nur ein enthusiastisches Bekenntnis Tschudis zu
Manet, sondern sie gibt im knappsten Rahmen auch
Aufschlüsse wertvollster Art über das Wesen des
Pleinairismus und die Entwicklung des Impressionismus
, dessen äus-
serste Kon sequenz

(die Farbenmischung
der Netzhaut
des Auges zu
überlassen, wie es
der Neoimpressio-
nismus tut) Manet
freilich nicht mehr

selbst ziehen
sollte. Tschudi
hält den Pleinairismus
als Kulturerscheinung
für den merkwürdigsten
Wandel
der modernen
Naturanschauung;
als künstlerisches
Ausdrucksmittel
nennt er ihn bezeichnend
>das
Ringen um Raumgestaltung
mit
Hilfe der feinsten
Wandlungen der
Lokalfarbe durch
Luft und Licht«. —
37 teilweise recht
scharfe, gut gewählte
Reproduktionen
nach Manet-
schen Bildern und
Studien belegen
wirkungsvoll die

Behauptungen
und Anmerkungen
des Autors. eduard beyrer

PERSONAL-NAGHRIGHTEN

DERLIN. Die diesjährigen Ehrenpreise der Großen
Berliner Kunstausstellung mit je 3000 M. sind
dem Maler Professor Willy Hamacher, dem Maler
Franz Türcke, dem Bildhauer Artur Lewin-
Funcke und dem Xylographen Martin Hönemann,
alle in Berlin, zugesprochen worden.

A/IÜNCHEN. Das Graf Schacksche italienische
Reisestipendium im Betrage von 6000 Mark, das
alle zwei Jahre verliehen wird, wurde durch Beschluß
der Professorenjury der Hochschule der bildenden
Künste dem Schüler der Komponierschule
des Professors Martin Feuerstein, Ernst Lincker
aus Straßburg im Elsaß, für sein im Florentiner Stil
gemaltes Triptychon >Die Liebe«, zuerkannt.
DARIS. Hier ist, 70 Jahre alt, der Medailleur J. C.
* Chaplain gestorben. Chaplain gehörte zu den
hervorragendsten Vertretern der französischen Medaillenkunst
; fast alle Staatsmedaillen für Ausstellungen
etc. tragen seinen Namen. Am prächtigsten
zeigt sich seine Meisterschaft in seinen Porträtmedaillen
(Meissonnier, V. Hugo).

ESTORBEN : in Paris auf einer Studienreise der
Dresdener Porträtmaler Hermann Behrens im
Alter von 44 Jahren; in Nürnberg am 9. Juli, 40 Jahre
alt, der Maler und Graphiker Hermann Bek-Gran,
Professor der Ornamentik an der Nürnberger Kunstgewerbeschule
, ein in den graphischen Fächern mit
außerordentlichem Erfolg tätiger Künstler, der durch
Plakate von vorzüglicher dekorativer Wirkung, Exlibris
, ausgezeichneten Buchschmuck in den weitesten
Kreisen bekannt geworden ist und dessen Ableben
für die Nürnberger Schule einen großen Verlust bedeutet
; in Bad Reinerz am 10. Juli im Alter von

44 Jahren der
Landschafts- und
Marinemaler Professor
Willy Hamacher
, auf zahlreichen
Ausstellungen
, so vor wenigen
Tagen mit
dem Ehrenpreis
der Stadt Berlin
für seine auf der
Großen Berliner
Kunstausstellung
gezeigten Arbeiten
ausgezeichnet;
am 12. Juni in
Stuttgart im Alter
von 70 Jahren der
bekannte Tiermaler
Friedrich
Specht, der auch
zahlreiche große
Publikationen über
die Tierwelt trefflich
illustriert hat;
in Bexhill (England
) der 1866 zu
Köln geborene Maler
August Ne-
ven du Mont; in
Halberstadt am
27. Juni im Alter
von 45 Jahren
der Maler Paul

MEYER-Mainz,
Mitglied der Münchener
Luitpold-
brunnen gruppe.

Redaktionsschluß: 13. Juli 1909

Herausgeber: F.Schwartz. Fürdie Redaktion verantwortlich : P. Kirghgraber.

Sämtlich in München

Ausgabe: 29. Juli 1909
Druck und Verlag von F. Bruckmann A.-G.


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