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-^4s£> DIE GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG ZU DÜSSELDORF 1909 <^=^
WILHELM PIPPERT DIE GÄNSEMAGD
Ausstellung Düsseldorf 1909
Stellung, eines der wenigen weiterführenden
Werke unserer Gegenwartskunst. München ist
umfangreich vertreten, aber auch hier fehlen
eigentliche Schlager. Unter den Figurenmalern
bringt Ad. Heller ein mondänes Damenporträt
, Herm. Groeber das Bildnis seiner Nichte,
W. Thor ein solches seines Vaters. Die beiden
letzteren Stücke sind wohl geeignet, im koloristischen
Sinne hier einen gewissen erziehlichen
Einfluß zu üben. Weniger wird man
dies von der an sich bewundernswerten Kunst
eines Leo Putz hoffen dürfen. H. von Zügel
tritt (Abb. S. 550) vollwertig wie immer auf.
Auch Crodel, H. von Hayek, Hengeler,
Hoch, Sieck, Urban machen ihrer Kunst
Ehre, ohne doch etwas Exzeptionelles zu bieten
. Durch eine entschiedene Kraft und Größe
in der Konzeption fällt die Heidelandschaft
von Claus Bergen (Abb. S. 556) auf.
Für die ziemlich reich vertretene Plastik
hat Max Benirschke einen in seinen Verhältnissen
überaus glücklich wirkenden Rundsaal
mit Nischen geschaffen; im übrigen sind
die Werke in geschickter Weise über sämtliche
Räume verteilt. Die piece de resistance
bildet ein kolossaler jugendlicher Siegfried
von Karl Janssen, wozu sich eine große
Bronze Max Klingers, ein nicht besonders
erfreulicher Athlet in komplizierter Stellung,
gesellt. Ernst Wencks „Zwei Menschen"
(Abb. Jahrg. 1906/7, S. 496) stellen sich als
ein modernes Werk dar und haben doch etwas
von der beruhigenden Stille der Antike. Der
Dresdner Pöppelmann bringt eine kauernde
Brunnenfigur von köstlich naivem Liebreiz
(Abb. Jahrg. 1907/8, S. 415). Von starker
Kraft des Ausdrucks ist R. Bosselts Marmorplastik
„Erschauern" und seine Bronzestatue
„Erdgebunden". Auch die Nymphe von Ber-
mann (Abb. S. 543), der schöne weibliche
Torso des Düsseldorfers Leon Lauffs (Abb.
S. 549), die „Träumende" von Otto Stich-
ling (Abb. S. 537) und die Porträtgruppe
Frau T. Sch. mit ihrem Sohn (Abb. S. 548)
gehören zu den bemerkenswerteren Erscheinungen
.
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