Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 551
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0638
-^3ö> DIE AKADEMIEN UND DER KUNSTUNTERRICHT <^s^

Faches: galt doch beispielsweise in München
bis 1846 die Ansicht, daß nur Historienmaler
Anrecht auf einen Lehrstuhl hätten, und die
Klasse für Komposition befaßte sich erst recht
fast ausschließlich mit historischen Motiven.

Diese Einseitigkeiten erklären sich unschwer
aus den Motiven, die zur Gründung von
Akademien in Deutschland geführt hatten.
Etwas spät glaubte man auch bei uns zu erkennen
, daß eine höhere Kunstentwicklung,
wie sie in Frankreich und Italien bewundert
wurde, abhängig und bedingt sei durch die
Trennung von Kunst und Handwerk; durch
die soziale Erhöhung des Künstlers über den
Handwerker, durch seine Gleichstellung mit
den Gelehrten. Die Kunstfreunde, voran die
Fürsten und nach ihnen die Staaten
, die das fürstliche Regierungserbe
übernahmen, glaubten die
Kunst zu heben, indem sie die
Künstler zu Professoren erhoben
und aus Lehrwerkstätten Akademien
machten. Es war ein Irrtum.

Denn was haben uns die Akademien
als solche wahrhaft genützt?
Wie verhalten sich ihre Leistungen
im Verhältnis zu ihren Ansprüchen
? Zu dem Aufwände, den sie
erfordern; zu dem Ansehen, das
sie genossen haben und genießen?

Die Kunstgeschichte lehrt, daß
die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts
sehr mühsam zu kämpfen
hatte, daß sie keine rechten Wurzeln
im Nährboden des Volkes
schlug. Man muß sich erinnern,
wie volkstümlich Musik und Theater
waren, um den ganzen Unterschied
in der allgemeinen Stellung zu den
bildenden Künsten zu erkennen.
Sieht man von Ludwig Richter,
Schwind und Menzel ab, die als
Illustratoren populär wurden, so
bleibt die Bewunderung für die
großen Akademiker Cornelius,
Kaulbach, Piloty, Makart allerdings
bestehen, aber die Bewunderung
war doch sehr verstandesmäßig
respektvoll und vom Verständnis
weit entfernt. Wie hätte
man da Verständnis gar für die
großen Einsamen C. D. Friedrich,
Runge, Rethel, Marees, Böcklin,
Feuerbach aufbringen können? Der
Respekt vor den akademischen
Richtungen trübte dem bildungs-
eifrigen Deutschen die Unbefangenheit
. Sein Kunstgefühl, in diesen

Jahrzehnten einer aufblühenden Technik ohnedies
unsicher genug, versagte überall da, wo
seine Bildung, sein Wissen ihn im Stiche
ließ. Kunstbildung aber erwarb man sich am
sichersten durch die akademische Kunst. Sie
wurde Autorität, weil wir immer einmal Autoritäten
brauchen, um unserer selbst sicher
zu sein.

Dafür konnten nun freilich die Akademien
nichts. Sie haben ja auch versucht, die starken
Persönlichkeiten an sich zu ziehen: Böcklin
und Feuerbach haben den Professorenrock
getragen, freilich nur auf kurze Zeit. Denn
es ist ja der, der etwas eigenes will und kann,
noch nicht ohne weiteres geeignet, eine akademische
Lehre daraus zu machen, sich über-

JOHN QUINCY ADAMS LILY MARBERG ALSJOLANTHE

Ausstellung Düsseldorf 1909

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