Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 552
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-5=^> DIE AKADEMIEN UND DER KUNSTUNTERRICHT <^=^

HERMANN ANGERMEYER DAS BETTELMADCHEN

Ausstellung Düsseldorf 1909

haupt als Lehrer mitzuteilen. Diese Lehrbefähigung
kommt aber bei der Berufung eines
neuen Meisters zur Akademie noch heute nicht
in Betracht. Er kriegt sein Amt, und für den
Verstand hat er selber zu sorgen oder der
liebe Gott. Er kriegt es auf Grund von Leistungen
, die an sich sehr schätzenswert sein
mögen. Aber je selbständiger und persönlicher
seine Kunst ist, desto
näher steht er der Gefahr
, seine Schüler,
anstatt sie in ihren
eigenen Fähigkeiten
zu bestärken, auf die
ihnen fremden Wege
des Meisters abzulenken
. Der tüchtige
Schüler wird dieselrr-
tümer überwinden und
zu sich selbst zurückkehren
, aber er wird
in vielen Fällen merken
, daß er den Umweg
umsonst gemacht
und kostbare Kraft
vergeudet hat. Die
Lehre ist aber doch
gerade dazu da, zur
Kraftersparnis zu erziehen
, zur strengsten
Oekonomie derMittel,
die die Natur mitgab.

Wie wenige unserer ehrenvoll berufenen
Akademieprofessoren lehren so? Es ist
Glückssache, wenn sie es tun; tun können
ihrer Begabung nach.

So ist der große akademische Katzenjammer
erklärlich, der gerade die begabtesten
der Schüler alsbald heimzusuchen
pflegt, sie entweder von der Akademie
oder von jeder Unterweisung vertreibt
und sie ihr Heil im mühsamen Auto-
didaktentum suchen läßt. Sehr viel größer
aber ist die Zahl derer, die, auf Grund
einer oft recht äußerlichen Geschicklichkeit
Akademiker geworden, nun drauflos
wursteln, allwöchentlich ihren Akt, ihre
Kopfstudie zeichnen, malen oder modellieren
und nach Ablauf der gesetzten Zeit
als fix und fertige Künstler ins Leben
hinaustreten. Hier wollen sie nun Unterkunft
finden, und merken nur zu bald,
daß das Leben für sie gar keinen rechten
Platz hat. Sie arbeiten, ohne zu wissen,
für wen, sie stellen ihre freien Entwürfe,
ihre Studien aus, die großen Kunstbazare
füllen sich Jahr für Jahr und entleeren
sich, aber die Leute, die all diese überreiche
Kunst kaufen, sind nicht da. Die Konsumenten
fehlen, die künstlerische Ueber-
produktion herrscht permanent. Selbst namhafte
Meister ziehen jahrelang mit ihren
Werken im Lande herum, bis sie irgend
ein Museum, einen der seltenen Privatsammler
, einen spekulativen Kunsthändler finden,
der eine Summe Geldes an sie wagt. Wie

WILHELM FRITZEL

AUFZIEHENDES GEWITTER AM NIEDERRHEIN

Ausstellung Düsseldorf 1909

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