Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 554
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-^5> DIE AKADEMIEN UND DER KUNSTUNTERRICHT

KARL PLÜCKEBAUM

Ausstellung Düsseldorf 1909

sollen da die schwächeren Kräfte ihren Platz
finden ?

Die Akademien von heute brauchen sich
um diese trüben Folgen ihrer Arbeit nicht
zu kümmern. So züchten sie eben ein Künstlerproletariat
heran, das oft genug in
einer verzweifelten Lage ist. Tausende solcher
Existenzen gibt es, die von den Aussichten
auf eine Zukunft leben wollen, die nie kommt.
Und doch bringen sie nur selten die Kraft
auf, dieser akademisch beglaubigten Zukunft
zu entsagen, und ein rechtschaffenes bürgerliches
Gewerbe zu ergreifen, solange es noch
nicht zu spät ist, solange sie noch zu bescheidener
täglicher Pflichterfüllung fähig und
nicht rettungslos verbummelt sind. Der akademische
Bildungsdünkel, das ist die Krankheit
, die an ihnen frißt. Sollen die hoffnungsvollen
Lehrjahre beim berühmten Meister X
denn ganz umsonst gewesen sein? Dieser
Dünkel ist recht verhängnisvoll und kostspielig
für die Allgemeinheit.
Er legt uns einen Teil höchst
brauchbarer Kräfte lahm. Denn
jeder Mensch ist irgendwie zu
brauchen, um wieviel mehr
einer, der über eine besondere
Begabung verfügt.

War es immer wie jetzt?
Unwillkürlich richtet sich der
Blick in die glücklichere, die
akademienlose Zeit der biederen
Handwerksmeister, die
doch eine Kunst schufen, die
sich sehen lassen kann. Was
sie an ihre Gesellen weitergaben
, war technische Handwerkserfahrung
, mehr nicht.
Wer mehr mitnahm, als er erhielt
, tat es aus eigener Kraft
und auf eigene Verantwortung.
Und welches wunderwürdig solide
Handwerk haben die beiden
Holbein, die Schongauer,
Grünewald, Dürer, Kranach
besessen! Von den Meistern
der alten gotischen Glasgemälde
ganz zu schweigen. Wo
sind diese leuchtenden Farben
hin? Böcklin hat umsonst versucht
, ein Grün zu finden,
das Dürer „noch" gekannt hat,
und sieht man etwa auf die
rührenden Versuche der Na-
zarener, in die primitive und
doch so sichere Wesensart der
frühen Italiener auch von der
technischen Seite einzudringen
, so übersieht man noch deutlicher, was
die kavaliermäßige Auffassung der Kunst als
Gegensatz zum Handwerk zerstört, wie sehr
die Differenzierung der Neuzeit die Künste
unproduktiv gemacht hat. In der Plastik, wo
zwar fleißig in weichem Ton geformt, aber
kaum mehr mit Meißel und Hammer aus dem
Block herausgestaltet wird, ebenso wie in der
Architektur, wo die theoretische Materialkenntnis
und die konstruktive Formphantasie
des angehenden Palastbaumeisters an der
Werkerfahrung eines besseren Poliers oft genug
den schmerzlichsten Schiffbruch erleidet.

Aber es muß nicht so bleiben, wie es ist.
Auch Akademien der Kunst sind nicht sakrosankt
. Ihre Aufhebung verlangen, hieße das
Kind mit dem Bade ausschütten. Ihre Reform
durchsetzen, liegt im Bereich der Möglichkeiten.
Ich kann sie hier nur ganz flüchtig andeuten.

Die unselige Trennung der Künste in akademische
Lehrzweige muß fallen. Der Archi-

KINDERBILDNIS

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