Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 558
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-s=4^> VON AUSSTELLUNGEN — NEUE KUNSTLITERATUR

claus bergen

heidelandschaft

Ausstellung Düsseldorf 1909

fl/IÜNCHEN. In der -»Modernen Kunsthandlung«.

sah man jüngst etwa ein Dutzend liebenswürdiger
landschaftlicher Aquarelle von Otto Stolz-
Leipzig, einem jüngeren, aus Augsburg stammenden
Künstler, der seine Ausbildung an der Münchner
Akademie bei J. Herterich erhalten. Seine Motive
holte er sich allesamt vom Gardasee, aber es sind
unter seiner Hand nicht die bekannten unmöglich
blauen Veduten daraus geworden, die wir zur Genüge
kennen, sondern reizende Stimmungsbilder; besonders
das träumerische San Vigilio mit seinen
hohen, ernsten Pinien hatStolz stets wiederzukünstle-
rischem Nachschaffen gereizt. Ueberaus gelungen
sind einige Aquarelle, die uns von der Blütenpracht
am Gardasee erzählen. Man kann nach diesen schönen
Ansätzen gespannt der weiteren Entwicklung des
Künstlers harren. g.j. w.

CTUTTGART. In der Gemäldegalerie sind ver-
^ schiedene Neuerwerbungen zu verzeichnen, so
ein Bild >Der Flüchtling« von Pieter Codde (1600
bisl678),dann aus der Nachlaßausstellung vonMARGA-
rethe von Kurowski das Bild >Am Fenster«, eine
Frau von slavischem Typus mit einem Kinde auf
dem Schöße und in seiner mächtigen breiten, formsicheren
und ganz ungewöhnlich tonschönen Malerei
eine der schönsten Arbeiten dieser Künstlerin, die eben
hier den ihr eigenen Zug von Melancholie besonders
rein zum Ausdruck gebracht hat. Dazu kommt noch eine
kleine Interieurskizze von A. Schmidt-Michelsen
und als Stiftung ein Bildnis des vor kurzem verstorbenen
Bildhauers, Heldentenors und Dichters Adolf
Grimminger von Hans Canon gemalt. h. t.

NEUE KUNSTLITERATUR

Liebermann Max, Degas. Vierte Auflage. —
Ders., Israels. Dritte Auflage. M. 2.50 resp. M. 2—.
Berlin 1909. Bruno Cassirer.

Der Wert dieser Essays beruht nicht zuletzt darauf,
daß sie uns den Weg weisen zu Liebermanns eigener
Kunst; es sind richtige Essays, die viele Dinge in
den Kreis ihrer Betrachtung ziehen und sich nicht
auf der strengen Linie der Monographie bewegen.
Beide Arbeiten sind sehr persönlich. Das Bändchen
über Degas, das zuerst erschien, steckt voll
feiner Gedanken. Sein Endzweck ist, die Malerei
des Impressionismus plausibel zu machen. Und wem
sie nicht eingeht, der hat eben, wie Liebermann
meint, kein Organ für die bildende Kunst überhaupt
. So meint er es ja wohl, wenn er eine Parallele
zwischen einem impressionistisch gemalten
Bild und einem Satz Beethovenscher Musik zieht.
Man muß das eine sehen, den anderen hören lernen:
und ein Unmusikalischer, sagt Liebermann, lernt
das Letztere nie. . . Was die Charakterisierung der
suggestiven Kunst des Degas anlangt, so gipfelt sie
in dem Satz: >Entweder ist die Kunst des Degas
naiv oder so groß, daß sie naiv erscheint.« — Das
Bändchen, das Israels gewidmet ist und mit einer
kleinen hübschen Originalradierung geschmückt
wurde, ist aus einer noch intimem Kenntnis der
Kunst des Analysierten geflossen. Es ist ausgezeichnet
, wenn Liebermann sagt: Israels schildert
die Mühe und Arbeit der Armen und Elenden seines
Volkes, aber ohne Tendenz wie der Psalmendichter,

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