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DIE VIII. INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG DER STADT VENEDIG
paul dubois
Ausstellung Venedig 1909
sitzen de
g.liipola in erwartung
Ausstellung Venedig 1909
sein heißes Bemühen, einer mühselig mit
Farbenpünktchen arbeitenden Technik Herr
zu werden, durch sein Ringen nach dem Licht
im konventionellen Schattendunkel. Wie an
Signorini eine frühere Etappe des Realismus,
kann man an Pellizza den „Divisionismus"
studieren, diese von den Lombarden und Pie-
montesen gepflegte Malweise. Wollte man auf
das Thema näher eingehen, müßte man auf
die eigentlichen Begründer, mit Mailand als
Ausgangspunkt, zurückgehen und betrachten,
wie erst die Hochgebirgsluft Segantini und
seinen Kreis zur Aenderung der Technik ver-
anlaßte, wie sie in Doktrinarismus ausartete
und endlich verwertet wird mit Ueberwindung
alles Pedantischen.
Nach dieser Abschweifung sei beschleunigteren
Schrittes die Wanderung durch die
Säle und Kabinette fortgesetzt. Das Hundert
von kleinen Studien des allzu wenig gekannten
Alberto Pasini (1826—1899) offenbart einen
fleißigen Orientmaler, bei dem man immerhin
mehr Befriedigung rindet als bei Francesco
Gioli („Florentiner Harmonien") und Ettore
deMaria Bergler („Schönheiten Siziliens"),
deren Vedutensammlungen keines Ruhm vermehren
. Neben diesen Landschaften steht als
Veteran der Venediger Guglielmo Ciardi in
ungebrochener Schaffensfreude (Abb. S. 581);
wenn er auch mitunter allzu selbstsicher geworden
ist in ausgefahrenen Geleisen, so erinnert
er doch gerade in einzelnen kleineren Bildern
der letzten Zeit an die köstlichen Studien
von der Wende der Sechzigerjahre. Francesco
Jerace zeigt einen Friedrich IL von
dem großen Giebelrelief für die neue Universität
in Neapel, an dem er zurzeit arbeitet
(Abb. geg. S. 561). Daß der Mailänder
Cesare Tallone, der immerhin ein vollblütiger
Kolorist genannt werden muß, gleich
mit einem Dutzend seiner breitspurigen Porträts
anrückt, ist nicht gerade zu seinem Vorteil
. Camillo Innocenti ist in verhältnismäßig
jungen Jahren die Ehre einer Sonderausstellung
zuteil geworden; sie zeigt ihn noch
in der Entwicklung begriffen, nicht etwa in
Gärung, dazu geht ihm, der eine gründliche
Vorbildung und viel Anpassungsfähigkeit besitzt
, alles geläufig von der Hand. Hell, etwas
mager im Farbenauftrag, tändeln seine mondänen
Interieurs (Abb. S. 562) an der Oberfläche
der flüchtigen Erscheinung.
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