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I
DIE VIII. INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG DER STADT VENEDIG
FRIEDRICH KLEIN-CHEVALIER
AM UFER
Ausstellung Venedig 1909
Daß Marius Pictor, wie sich Mario de
Maria nennt, zu den hervorragendsten Persönlichkeiten
der gegenwärtigen Malerschaft
Italiens gehört, weiß man längst. Trotzdem
läßt man sich diese Ueberzeugung immer
wieder gerne bestätigen. Wie er das Pigment
seiner Gemälde sich bereitet und auch daraufhin
die alten Meister studiert, immer nur
auf den Zusammenklang einiger wenigerFarben,
nach denen er die Bilder zu betiteln liebt,
bedacht, anderseits ungebunden seiner Phantasie
hingegeben, die voll ist von seltsamem
Nachtzauberspuk und selbst im Sonnenbrand
düstert, stellt sich uns De Maria als
Finder und Erfinder zugleich dar, im ganzen
doch ein Farbenromantiker eigener Prägung.
Auf das schönste hat Ettore Tito, der hier
absichtlich neben den grübelnden und geheimnisvollen
Marius Pictor gestellt wird, die
Zeugnisse seines Schaffens zu froher Rundschau
aneinander gereiht (Abb. S. 568). Frank
und frei wird einem da zumute, denn weder der
Ernst der Allegorien noch die Pose der Porträts
macht bange, noch bedrängt der Ernst mancher
Venezianer Volksszenen ; mit klar hellen Farben
formuliert Tito seine bewegliche Welt.
Aus den übrigen Teilen der Ausstellung
soll dann im folgenden noch herausgehoben
werden, wer auf seinem schmalen Platz durch
die Stärke seiner Persönlichkeit den Rang
sich erwirbt, welcher andern von vornherein
zugestanden wurde, durch die ihren Bildern
reichlich zugemessene Hängefläche. Vor eine
durch die gegebenen Verhältnisse begrenzte
Aufgabe war Galileo Chini gestellt, als
er die Kuppel in dem Atrium auszumalen
bekam. Die acht Felder sollten einen Abriß
der Kunst- und Kulturgeschichte enthalten.
In symbolischer Gestaltung mit archäologischem
Einschlag hat Chini sein möglichstes
für die Erfüllung des Auftrags getan, der undankbar
war, denn das hereinströmende Publikum
bequemt sich nicht leicht dazu, die in
großer Augenweite entfernten Darstellungen
zu enträtseln. In den gestreckten Figuren ist
er mit G. A. Sartorio verwandt, der, wie
vor zwei Jahren in der monumentalen Ausmalung
des Mittelsaales, heuer in dem Entwurf
eines Frieses für das Parlamentsgebäude
wieder durch denselben langen Atem des
unermüdlichen Erfinders, aber zugleich durch
dieselbe Verleugnung aller farbigen Wirkung
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