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DIE VIII. INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG DER STADT VENEDIG
auffällt. Nicht ebensolche zeichnerische Meisterschaft
aber Schwung besitzt auch Plinio
Nomellini, der freilich alles verdirbt, indem
er sich unklar an seinen Farbenphrasen berauscht
. Adolfo de Carolis und Gaetano
Previati, von dem man Bedeutenderes als
seine „Francesca und Paolo" zu sehen gewohnt
ist, dazu Pietro Mentessi suchen eine
große Tradition im dekorativ stilisierenden
Sinne weiterzuführen.
Als Repräsentant der italienischen Landschafter
und dessen, was sie in ihren Besten
fortschrittlich wollen, kann der Mailänder Giuseppe
Carozzi gelten. Ihn, den Großstädter,
hat es schon frühe bergwärts gezogen, und
auch jetzt wieder schildert er die Hochtäler
Graubündens, ihre sehnsüchtige Stille im
Zwielicht des Abendscheins (Abb. S. 570). Unmerklich
zwingt Carozzi in den Bann seiner
Stimmungskunst. Das technische Verfahren
seiner Malweise, dieden Grundsatz der Farbenteilung
mit einem breiten Vortrag der Raumteile
verbindet, drängt sich nicht vor; der
seelische Gehalt des Geschauten teilt sich
mit den Aetherschwingungen selbst mit. So
feine Lyrismen findet man nur noch bei Vittore
Grubtcy de Dragon, dem kundigen Vorkämpfer
des Divisionismus. Die großen Veduten
des Altmeisters Filippo Carcano erscheinen
daneben willkürlich komponiert. An
guten Landschaftern in der angedeuteten Richtung
fehlt es in keinem der Säle; bei den
Piemontesen sind Delleani, Maggi und der
fast knallig prickelnde Tavernier, bei den
Römern Coleman und Carlandi zu nennen.
Venedig mit seinen Bezzi, Costantini, Fra-
giacomo, sowie den Geschwistern Beppe und
Emma Ciardi bleibt nicht hintan. Hier hat
sich Trajano Chitarin wieder einmal eingestellt
, dieser feinnervige Künstler, mit dem
man das Raunen und Rieseln des Herbstes
in den Voralpen belauscht. Daneben dröhnen
schier die in starkem Relief auf die Leinwand
gesetzten Farben des Zanetti-Zilla, der
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