Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 57
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F. A. O. KRÜGER-MÜNCHEN MOSAIK IM TREPPENHAUS (vgl. s. 75)

ausführung: carl ule, g.m.b.h., münchen

DIE GESELLSCHAFTSRAUME DES LLOYDDAMPFERS
„PRINZ FRIEDRICH WILHELM"

Neue Bedürfnisse in Leben und Verkehr
der Kulturvölker schaffen neue Formen.
Man sieht unseren D-Zügen nicht an, daß
ihre Ahnen jene dampfenden, auf Schienen
gesetzten Postkutschen von 1840 waren, die
noch ganz die Form hatten wie Omnibusse
mit Äußensitzen und dergleichen, und es fällt
uns schwer, zu glauben, daß ein 29000 tons-
Amerikadampfer genau denselben Zwecken
dient, wie die ersten transatlantischen Schiffe,
die an ihren Masten alle Leinwand hoch hatten
, als Segelschiffe, und dazwischen, fast verschwindend
, einen Schornstein. Die Steamer
von heute verleugnen fast ihre Herkunft, und
mit dem Wachsen der Ansprüche und der
Technik sind die ursprünglichen Bedingungen
langsam abgestoßen worden.

Die Inneneinrichtung dieser Schiffe hat eine
ähnliche Entwicklung durchgemacht. Wenn
man in den Speisesaal eines Lloyddampfers
von 1908 kommt und einen Augenblick an
die Gesellschaftsräume früherer Schiffe denkt,
findet man auch nicht gleich den Zusammenhang
. Die Gesichtspunkte, nach denen solche
Einrichtungen geschaffen wurden, waren nach

den Idealen orientiert, die für das Wohnen
in eleganten, großen Hotels gültig gewesen
waren. Aber in demselben Maße, wie der
Schiffsbau immer strenger wurde, wie man
immer sicherer den Typ des Dampfschiffes
entwickelte, das ganz nach seinen eigenen
inneren Gesetzen lebt — ebenso wurde die
Dissonanz fühlbarer, die zwischen Schiffskörper
und Großstadthotel besteht. Das lag
in der Zeit begründet. Bei dem Aufschwung
des Kunstgewerbes, seit anderthalb Jahrzehnten
, sind wir empfindlicher geworden für das
Verhältnis von Organismus zu äußerer Erscheinung
, für die Wechselwirkungenzwischen
Konstruktion und Dekoration. Ich brauche
das nicht auszuführen. Man weiß, wie sehr
die Ueberlegungen nach Zweckgerechtigkeit
und Materialgerechtigkeit die Dinge unseres
Gebrauchs beherrschen. Bei diesem Standpunkt
unserer angewandten Kunst ist es begreiflich
, daß eine Auseinandersetzung ihrer
Prinzipien mit den Dampfer - Einrichtungen
irgendwann einmal erfolgen mußte. Daß sie
jedoch in dem denkbar glücklichsten Augenblick
stattfand, ist allerdings nicht mehr nur

Dekorative Kunst. XII. 2. November 1908.

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