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-^s^> BRUNO PAULS TYPENMÖBEL
bruno paul-berlin
speisezimmer (gebeizte eiche)
AUSFUHRUNG: VEREINIGTE WERKSTATTEN FÜR KUNST IM HANDWERK A.-G., BERLIN
schiedenartig ihre Auf- und Aneinanderreihung bewerkstelligt
ist, z. B. kräftig und massig an dem
Herrenschreibtisch (Abb. S. 86), leicht und zierlich
in dem kleinen Schränkchen, das sich aus zwei
Schubfächern auf einem Stollen aufbaut und zum
kleinen Damenschreibmöbel wird durch Verbindung
mit der Tischplatte (Abb. S. 92). Ebenso bildet das
>Kastenfach« eine Raum- und Maßeinheit, wohl die
modulationsfähigste von allen; denn durch die Möglichkeit
, es regalartig offen zu lassen, oder durch
Türen aus Holz oder aus Glas oder mit hübschen
farbigen Vorhängen zu schließen, läßt sich der Anblick
ungemein variieren (Abb. S. 89). Den Höhepunkt
erreicht aber die Kombinierbarkeit der Einzelstücke
in den Bibliothekschränken. Durch die Einstellung
eines sehr geschickt erfundenen und proportionierten
Eckschrankes lassen sich zwei oder
drei Wände zu einer geschlossenen Folge verbinden;
und durch abwechselnd offene und verglaste Bücherkästen
, die auch wieder in einfacher Breite oder
verdoppelt, oder drei- und vierfach aneinander gereiht
werden können, sowie durch praktische und
fürs Auge reizvoll erscheinende Unterbrechungen
mit Einzeltürchen oder geschlossenen Füllungen
läßt sich eine unglaubliche Mannigfaltigkeit erreichen,
so daß diese Bücherkästen sich den allerverschie-
densten Bedürfnissen in Zweckerfüllung und Erscheinung
anpassen.
Die Flächen-Holzteile aller dieser Möbel sind in
der soliden und eleganten Technik der abgesperrten
Tafeln« hergestellt; d. i. eine Kernschicht Fichtenholz
zwischen konträr gerichteten Doppellagen des
Edelholzes. Reizvolle Effekte mittels der rautenförmigen
Musterbildung der Maserungen und der
sie umsäumenden feinen Intarsien konnte der
Künstler sich dadurch erlauben, daß bei diesem
großen Massenbetrieb die Herstellungspreise von
sonst relativ kostspieliger Schmückung so bedeutend
verringert sind.
Ueberhaupt zeigen diese Möbel, was bei glücklichem
Zusammenwirken von überlegter und geschmackvoller
Formgebung, klarer Durchdachtheit
des Anfertigungsplanes und großzügig geführtem
Herstellungsbetrieb geleistet werden kann.
NOTIZEN
Bei den beiden auf Seite 522 und 524 des diesjährigen
Septemberheftes abgebildeten Gemälden
Gustav Klimts »Liebespaar« und »Bildnis der
Frau St.« wurde versehentlich nicht vermerkt, daß
die Veröffentlichung mit Genehmigung der Galerie
H.O. Miethke in Wien erfolgte. Wir tragen dies
hiermit nach.
Die auf Seite 68 abgebildeten Mosaik-Füllungen
im Treppenhaus des Dampfers > Prinz Friedrich Wilhelm
« wurden nicht von Prof. Krüger, sondern von
Jan Eisenlöffel entworfen, der seit kurzem dem
Künstlerverband der »Vereinigten Werkstätten« angehört
. — Die Abbildungen auf den Seiten 57 bis 61
sind mit denen auf Seite 67, 74 und 75 zu vergleichen.
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