Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 115
(PDF, 147 MB)
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-^^> DAS NEUE DEUTSCHE BILDERBUCH <^=^

GERTRUD CASPARI « BEIM OSTERHASEN AUS „KINDERHUMOR FÜR AUGE UND OHR"

(ALFRED HAHNS VERLAG, LEIPZIG)

Bauriedl in einzigartiger Weise moderne
Technik mit dem schlichten Gefühlsgehalt
verschmolz. Da ist fast jedes Blatt eine
Ueberraschung und ein Genuß.

• #

Eine Sonderstellung nimmt — einmal um
der umfassenden Versuche, dann um der Vollendung
der Leistungen willen — der Verlag
Schaffstein in Köln ein, der das Neuzeitliche
in Text und Bild resolut auf seine Fahne geschrieben
hat.

In diesem Verlag eint sich so ziemlich alles,
was für das Kinderbuch angestrebt wird. Die
Farbe kommt zu ihrem Recht. Und auch da,
wo nur in typographischer Richtung gewirkt
wird, wie in den Neudrucken alter Märchen,
sind Erfolge erzielt, die mustergültig genannt
werden können. Er hat dem Künstler inDeutschland
Eingang verschafft, der an erster Stelle
zu nennen ist: Kreidolf.

Kreidolf ist in ganzem Sinne das, was
man Künstler nennen darf: ein Komplex innerer
Anschauungen, die mit ganz eigenen Mitteln
sichtbar gemacht werden, eine Welt für sich.
Seine Art hat Beziehungen zum englischen
Bilderbuch, zu Walter Crane. Man wird

Blätter dieses Engländers finden, bei denen
die Aehnlichkeit sofort auffällt. Aber Kreidolf
hat sich danach seine Art ganz und gar
selbst geschaffen.

Das neueste Buch von ihm zeigt die Eigenart
dieses Künstlers in besonders markanter
Weise. Es ist „Sommervögel" betitelt und
handelt von Schmetterlingen, Käfern, Raupen
und Puppen. Es ist eine Einheit von Text
und Bild, die vielleicht zuerst fremdartig berührt
, aber dann leise einführt in die Welt
dieses Dichtermalers. Eine ganz eigene Atmosphäre
ist in diesen kurzen, simplen Schilderungen
, die die Bilder begleiten, deren Darstellung
sich dann selbst mit schmetterlings-
haftem, federleichtem Fluge zu einer freien
Schönheit erhebt. Eine seltsame Phantastik,
die dadurch entsteht, daß das Fremde hier
so selbstverständlich sich gibt, in dieser Ueber-
windung des Realen geheimnisvoll und voller
Zauber. Man kann bei diesem Buch träumen;
es hat etwas Suggestives. Wenn man es aus
der Hand legt, vergißt man es nicht. Es ist
etwas Blumenhaftes, Zartes drin und ein tiefer
Blick. Man hört die Stimme eines Menschen,
der das Robuste scheut, dem vielleicht Leiden
einen Weg gezeigt hat zu den stillsten Fein-

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