Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 116
(PDF, 147 MB)
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-^5> DAS NEUE DEUTSCHE BILDERBUCH <^=^

ERNST KREIDOLF DAS WETTRENNEN

Eines Tages erschienen fremde Gäste mit großen Nashornkäfern und Böcken, die wollten ein Wettrennen veranstalten. Das war unseren
Schmetterlingen und Käfern schon recht, und es gab ein großes Fest. Paris und Aega, die beiden Ausländer, eröffneten das Rennen." -

AUS „SOMMERVÖGEL" (VERLAG VON HERMANN & FRIEDRICH SCHAFFSTEIN, KÖLN)

heiten. Dieses Buch gehört zu den Werken,
die wir als Schöpfungen ansprechen, und ich
kann mir denken, daß Erwachsene darüber
nachdenklich und sinnend werden können.
Ich verhehle mir nicht, daß hier vielleicht
experimentiert wird ; man wird manche Bücher
aufzählen können, die vielleicht inhaltlich und
darstellend dem Geist des normalen Kindes
(gibt es nicht auch schon unter den Kindern
Individuen mit ausgesprochener Eigenart? Nur
unsere Methode schafft die Uniformität: das
Kind) mehr entgegenkommen. Das Nützliche
ist da mehr bedacht; das Technische ist berücksichtigt
; eine Art graphischer Nutzkunst finden
wir hier, die Zweck und Material bedenkt. Das
aber ist mir nicht zweifelhaft: Hier ist das
Schöpferische, das im Keim Lebendige. Wir haben
diesen Gegensatz auch in der Raumkunst,
den Gegensatz zwischen den schöpferischen,
den suchenden Talenten und den bewußten, ordnenden
, wählenden Talenten. Diese sind die
Großen, Eigenen, vielleicht im Kleinen, Nützlichen
Irrenden; die anderen sinddieintelligenten
Könner, die Zweck und Ziel mehr bedenken.
In einigem Abstand sind die beiden anderen
Künstler zu nennen: Freyhold und
Hofer. Neben der umfassenden Art eines
Kreidolf wirkt Hofer schon manieriert.
Seine Art ist flächig. Seine Bilder sehen wie
aus Papier geschnitten aus. Das Dekorative
löst bei ihm fast schon ganz das Illustrative
auf. Es ist eine Fröhlichkeit darin, die vielleicht
dem Kind fremd ist, eine Fröhlichkeit,
die der Erwachsene an Kindern hat, also
schon etwas zu Bewußtes. Dennoch überrascht
Hofer oft mit stilistischen Kühnheiten
, die den Kern treffen, und das Primitive
seiner Situationen deutet oft mit Glück
das Kindliche an. Während aber Kreidolf
aus einer ganzen Gefühlswelt heraus künstlerisch
schafft, gibt Hofer doch meist nicht
mehr als eine geschickte Verwendung des
Technischen und reicht so nicht an die Sphäre
heran, aus der Kreidolf kommt. Er strebt
ein Anderes an. Das stilistische Gesetz des
Vereinfachens kommt bei ihm am kräftigsten
zum Ausdruck. Er betont ausschließlich das
Formale und erreicht in seinen Formen die
denkbarste Simplizität. Er ist darum besonders
geeignet, den Kleinsten ein Führer zu sein.

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