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-s3=4sö> DAS NEUE DEUTSCHE BILDERBUCH <^^p-
„Sprach Frau Biene: ,,Könnt ja bleiben,
Euch bei mir die Zeit vertreiben
AUS
Mit den lieben Kindern mein,
Wenn Ihr wollt hübsch artig sein."
NASEWEIS UND DÄMELCHEN", EIN MÄRCHEN VON MARIE VON OLFERS
(VERLAG GUSTAV WEISE, STUTTGART)
chalisch im Mittelpunkt sitzt. Ebenfalls ein
Komplex für sich, eine eigene Welt voll Zauberei
, Ueberraschung und Lustigkeit, ein wenig
altmodisch, aber einheitlich und stimmungsvoll
ist die Sammlung „Märchen und Lieder
und lustige Komödien" von Franz Pocci, die
der Verlag Etzold & Co. (München) herausgab
. Martin Greif schrieb dazu ein Einleitungsgedicht
, Text und Bild gehen hier intim
zusammen; es ist etwas von dem Geist des
Puppentheaters darin, ja man kann sagen, ein
gewisser Stil, aus der Anschauung des Kindes
selbst gewonnen. Das etwas Altmodische steht
sogar gut dazu.
Der Verlag gab auch andere Kinderbücher
heraus: „Die Doktorsfamilie im hohen Norden
", „Als Mutter klein war", beide verfaßt
von Frau A. Gjems-Selmer, mit Bildern von
Schwarz und Damberger und hat jetzt der
ersten Sammlung der Märchen, Gedichte und
Komödien von Franz Pocci eine zweite folgen
lassen.
Je mehr man sich in dieses Gebiet hineinbegibt
, umso verwirrender werden die Eindrücke
. Die Verlagsanstalten, die Kinderbücher
herausgeben, mehren sich von Tag
zu Tag. Im allgemeinen
merkt man das Streben, der
Zeitströmung Rechnung zu
tragen. Wenn ihre Publikationen
auch noch nicht so
markanten Stempel tragen
und ihre Tätigkeit nicht so
umfassend das ganze Gebiet
umspannt, so ist doch vieles
darunter, das Ausdruck besonderen
Willens und Könnens
ist und das darum angemerkt
sei. Das Gebiet
wird durch sie bereichert.
Und die moderne Tendenz
kommt vielleicht markanter
zum Ausdruck, so daß neue
Anregungen hier gegeben
werden. Es schließt sich
da eine Reihe von Künstlerinnen
zu einer Gruppe
zusammen: Marie von Ol-
fers, Sibylle von Olfers,
Elsa Beskow, Helene Gräfin
Harrach-Arco.
Die Kinderbücher der
Marie von Olfers haben
etwas Eigenes, zumal man
bedenken muß, daß die
Künstlerin aus einer anderen
Zeit heraus zu uns
spricht, aber es ist eine
leichte, feine Natürlichkeit, eine gewisse, weibliche
Grazie in ihrer Art.
Sibylle von Olfers verbindet damit ein
umfassenderes Naturgefühl. Ihre „Wurzelkinder
" und ihr „Was Marilenchen erlebte" (bei
Schreiber, Eßlingen) sind hübsch erdachte
Schilderungen, die eine stille und feine Poesie
atmen. Phantastischer ist Helene Gräfin
Harrach, die „Einiges von der Sonne" (bei
Edmund Meyer Verlag) erzählt und dazu kleine,
zum Teil reizvolle Bildchen beisteuert.
Marie und Sibylle von Olfers haben auch
bei Gustav Weise (Stuttgart) je ein Kinderbuch
erscheinen lassen. „Naseweiß und Dämelchen
" und „Eine Hasengeschichte". Die
kleinen Zeichnungen von Marie von Olfers
haben trotz mancher Ungeschicklichkeiten und
trotz der alten Note etwas, das Kinder reizt
und das nicht unkünstlerisch ist. Etwas
schwächlicher sind die Blätter von Sibylle
von Olfers; doch auch sie haben noch einen
eigenen Ausdruck und eine lichte Farbigkeit
in den Tönen. Diese beiden Bücher gehören
mit dem „Kleine Leutle" von J. Villinger,
zu denen Willy Plank wirkungsvolle Schwarz-
Weißzeichnungen beisteuerte, die durch ein
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