http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0170
-a^> DIE AUSSTELLUNG MÜNCHEN 1908 <^-^
SILBERNER HALSSCHMUCK, OXYDIERT, MIT TÜRKIS, PERLEN U. AMETHIST-TROPFEN
GOLDSCHMIEDEARBEITEN VON KARL JOH. BAUER-MÜNCHEN
Die große Vitrine im Raum 172 der Ausstellung
„ München 1908" zeigte unter anderem
Arbeiten des jungen Münchner Goldschmieds
Karl Johann Bauer. Was an ihnen auf den
ersten Blick auffällt, könnte man recht eigentlich
als ein Negatives bezeichnen, ohne hiermit
aber einen Tadel verbinden zu dürfen. Im
Gegenteil: es ist das gänzliche Fehlen alles
Unnützen und Ueberladenen, das vielfach noch
im Schmuck beliebt ist, seit der sogenannte
„Jugendstil" sich in der Anwendung eines
reichen, ja überreichen Ornaments (besonders
des linearen und des pflanzlichen) nicht genugtun
zu können glaubte. Bauer, der die
erwähnte Entwicklung des Schmucks zu modernen
Formen miterlebte, besann sich frühzeitig
auf ein vornehmes Maßhalten und m. E.
sind seine letzten Arbeiten (die die Münchner
Ausstellung zeigte) ausschließlich nach diesem
ästhetischen Prinzip geschaffen. Jedes Zuviel
im Ornament, wodurch die dem Wesen des
edlen Materials innewohnende Eigenwirkung
beeinträchtigt werden könnte, ist mit sicherem
Geschmack vermieden und die Wirkungserhöhung
beim Edelmetall (mag dieses matt oder
poliert angewandt sein) vorzugsweise durch
die Farbe, in diesem Fall durch Steine erzeugt,
indem bald das Metall als Folie des Steins,
bald dieser lediglich als jenem gleichberechtigt
verwendet ist. Wo der Künstler das Ornament
verwendet, sei es lineares oder geometrisches,
pflegt es fast ausschließlich nur da zu geschehen
, wo das Metall selbst, dem Objekt,
bezw. seinem Zweck entsprechend, leichter
oder graziöser wirken soll, als seinem Wesen
eigen ist; z. B. in der ornamental gefaßten
Durchbrechung der Fläche einer größern
Gürtelschließe. So dient eines dem andern,
wie die edle Wirkung jedes einzelnen Schmuckgegenstandes
dartut. Diese erhält erfreulicherweise
ein Aequivalent in den mäßigen Preisen,
die ermöglicht sind durch die Verwendung
sogenannter Schmucksteine (Halbedelsteine),
besonders bei Arbeiten, deren Wesen und
Zweck sie auch dem mittelbegüterten Käufer
verlockend erscheinen lassen. Neben ihrem
rein künstlerischen Werte mag ihre Beliebtheit
auch hierin zu gutem Teil gegründet sein.
Daß Bauer auch größeren Aufgaben gewachsen
ist, beweist der Auftrag der Ausstellungsleitung
, den Ehrenpreis der Stadt
München anzufertigen, einen fast halbmeterhohen
, in Silber getriebenen Pokal, auf Altgold
getönt, und mit Lapislazuli und Perlen
geschmückt, wozu Rich. Berndl den Entwurf
lieferte. Dosen aus edlem Holz mit Schmucksteineinlage
brachten ihm einen Preis im Wettbewerb
um Ausstellungsandenken. Seit vier
Jahren führt der Künstler hier eine eigene
Werkstätte, und ebensolange steht er derMetall-
klasse in der bekannten Debschitz-Schule vor.
H. Kromer
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