Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 155
(PDF, 147 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0185
mS&> DIE AUSSTELLUNG MÜNCHEN 1908 <^M^

ran vorüber, und
bei manch einem
von ihnen mag,
besonders des
Abends, diese
gähnende dunkle
Leere schäd-
lichaufdieStim-
mung gewirkt
haben. Man
konnte es ja
deutlich
nur auf

ganz
sehen:

KARL MANDLER-MUNCHEN

AUSFÜHRUNG:

der kurzen Promenade
vor dem
Hauptrestaurant
fühlten sich die
Besucher als organisierte
Masse
, traten sie zueinander
in Beziehung durch jenes Betrachten
und Betrachtetwerden, das den großen Reiz
jeder gut geleiteten Massenansammlung ausmacht
. Aber sonst fehlte jeder Mittelpunkt, der
das Volk nachhaltig anzog; keine konzentrierten
Lichtfluten sogen die Nachtfalter herbei, keine
weisen Straßenzüge führten die Massen, die
sich so gerne und so leicht führen lassen, zu
Plätzen, wo aus Verweilen und Vorübergehen
reizende Menschenwirbel entstehen. Mit dem
Betreten des Vergnügungsparkes zerfloß und

M. J. SCHRAMM, HOF-PIANOl'ABRIK,

CEMBALO

MÜNCHEN

(KIELFLÜGEL)

G. H ERMS-MÜNCH EN« PHONOLA-PIANO (MAHAGONI MIT EBENHOLZ-INTARSIEN)

AUSFÜHRUNG: M. J. SCHRAMM, HOF-PIANOFABRIK, MÜNCHEN

zerflatterte alles, und jeder war wieder allein.
Man zwang die Menschen nicht einmal, nahe
an den Buden vorüberzugehen; man mußte
immer eine Leere durchkreuzen, um zu einer
der Schaustellungen zu gelangen. Ich behaupte
, daß die Frage der Menschenführung
auf dem Oktoberfest besser gelöst wird, als
es auf der Ausstellung geschah.

Ich glaube, daß das Streben nach Einfachheit
im Vergnügungspark am deutlichsten
Fiasko erlitten hat. Da war ein Karoussel,

das sich traurig, lichtlos,
ohne Flitter und Lärmen
um sich selbst drehte. Eine
höchst asketische Lustbarkeit
, ein Karoussel für Ve-
getarianer, Abolitionisten
und andere melodische Existenzen
. Was haben Schlichtheit
, Einfachheit und Materialechtheit
bei einem Instrument
zu schaffen, das
nur darauf ausgeht, der
Menschheit auf einige Minuten
den Kopf toll und
wirbelig zu machen? Die
Unvernunft gehört ja zum
Wesen dieser Vorrichtung,
der Schwindel gehört dazu,
die Lüge, die Illusion. Die
ganze Erscheinung dieses
Karoussels war eine Selbstverneinung
; es war, rund
herausgesagt, nicht zweckmäßig
und hatte daher auf
einer modernen kunstgewerblichen
Ausstellung, die
den Zweck über alles stellen

155

20*


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0185