Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 156
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-g-4^> DIE AUSSTELLUNG MÜNCHEN 1908

ADELBERT NIEMEYER SILBERNER EHREN-POKAL

AUSFÜHRUNG : ADOLF VON MAYRHOFER, CISELEUR, MÜNCHEN

sollte, nichts zu suchen. Haases Stufenbahn
auf dem Oktoberfest ist von wesentlich besserer
Rasse. Gewinnen diese Tendenzen der bürgerlichen
Pedanterie in München noch mehr an
Boden, dann verbietet man dem armen Ka-
roussel das nächstemal auch die Runddrehung
und die Orgelmusik.

Wie sehr diese Tendenzen Oberwasser haben
, das geht auch aus der gesamten Architektur
der Ausstellung hervor. Ich sage nichts
gegen ihre einzelnen Leistungen. Zells länd-
licherGasthof, Riemerschmids Arbeiterhäuser
und Frühstücksstube, Danzers Ceylonteehaus,
der Kinematograph von O. O. Kurz, das Hippodrom
von O. Schnartz und vor allem das
Hauptrestaurant von Emanuel von Seidl
— lauter gute, zum Teil hervorragende Schöpfungen
, an denen man, einzeln betrachtet,
seine Freude haben kann. Aber — liegt es an
dem vielen architektonischen Mittelgut, das
sich mit ihnen mischt? — der Geist des
Ganzen kommt mir zu ländlich, zu bäuerlich
vor; ich vermisse das städtische Element. Man
sehe doch, wie der einzige städtische Bau, das
Hauptrestaurant, sich von der übrigen Architektur
abhebt. Die Ausstellung scheint auszusprechen
, daß ihr architektonisches Ideal
das oberbayerische Bauernhaus ist. Sind wir
wirklich so weit? Analoge Erscheinungen
sind ja auch auf dem Gebiete der Dichtung
hervorgetreten, aber lange nicht mit dieser
Ausschließlichkeit. Mir scheint, es ist in
Münchens Interesse dringend zu wünschen,
daß dieser architektonische Landaufenthalt
ein bloßer Ausflug bleibt, ein Ausflug, den
man der falschen Sirene „Biedermeierei" zuliebe
unternommen hat, von dem man aber
bald wieder zurückkehrt an die wirkliche,
ehrliche Arbeit. München hat ohnedies bei
dem Mangel eines formfähigen, charaktervollen
Baumaterials dem Architekturproblem
gegenüber einen harten Stand. Läßt es sich
durch den gefährlichen Putzbau auf die Dauer
auch sein Streben herabdrücken, dann könnte
es eines Tages leicht aus der Reihe der
architektonischen Produktionsstätten ausgeschaltet
werden.

Ich habe in Vorstehendem einigen Einwänden
Ausdruck gegeben, die sich auf das
Ganze der Ausstellung beziehen. Denn darauf
kam es an, nicht auf eine Besprechung der
Einzelheiten, die neben der überwiegenden
Fülle des Guten wohl noch mehr Entgleisungen
hätte ans Licht ziehen müssen.

Mit einem Worte nur will ich noch eine
Angelegenheit streifen, die mit der Ausstellung
nicht unmittelbar zusammenhängt, nämlich
die Plastik. Wir freuen uns an der Kraft
und dem Streben unseres Hildebrand, denn
er gehört zu den wenigen, ernsthaft und
schwer zu nehmenden Erscheinungen, die
Europa heute auf dem Gebiete der Bildnerei
besitzt.

Aber ebensowenig zweifelhaft wie sein persönlicher
Wert scheint mir auch die Gefahr,
die sein übermächtiger Einfluß für die Münchner
Plastik bedeutet. War es doch selbst für
Kenner nicht möglich, sich ohne den Katalog
über die Autorschaft der zahlreichen Bildwerke
in der Ausstellung zu orientieren.
Alle diese Skulpturen, wenige ausgenommen,
hätten von derselben Hand stammen können.

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