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-sr4^> DIE AUSSTELLUNG MÜNCHEN 1908
Das ist ein ganz äußerliches Merkmal für
einen tiefinneren Mangel an Kraft, an Persönlichkeit
und urwüchsigem Streben. An positiven
Werten haben die meisten dieser
Schöpfungen nur eine gewisse dekorative
Wirksamkeit und ein nicht sehr tiefes Raumgefühl
aufzuweisen gehabt; alles übrige war
prahlende Oberfläche und der künstlerischen
Intensität nach nicht viel höher stehend als etwa
Behns famose Gipsplastiken beim Schützenfest
. Damals war diese großflächige, flüchtige
Behandlung der Formen ganz am Platze,
hier war sie verfehlt. Schuld des Materials,
sagt man. Dann hätte man eben ein anderes
Material wählen müssen. Dieser großporige
Kalkstein eignet sich ohnedies für solche
Bildwerke, die keine große Distanz haben,
denkbar wenig.
Ich komme in die Versuchung, nach Vortrag
all dieser Einwände noch einmal all das
zusammenzufassen, was mir an der Ausstellung
positiv, tüchtig und gelungen erscheint.
Denn wir leben in einer Stadt, die wenig
Kritik gewöhnt ist und eigentlich nur eingeschworene
Parteigänger und eingeschworene
Gegner kennt. Ich versage es mir trotzdem
und lebe im übrigen des Glaubens, nur solche
Dinge ausgesprochen zu haben, die sehr vielen
anderen und besonders auch den maßgebenden
Faktoren ohnedies schon klar geworden
sind.
W. Michel
georg vogt-münchen tafelaufsatz in bronze und silber
AUSFÜHRUNG: STEINICKEN & LOHR, KUNSTGEWERBLICHE WERKSTÄTTEN, MÜNCHEN
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