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KNUT AKERBERG-MUNCHEN
MARMOR-SARKOPHAG
DER SARKOPHAG FÜR PRINZESSIN MATHILDE VON BAYERN
Die Fälle, wo ein Grabdenkmal ganz als abgerundete
, vollendete Leistung dasteht,
abseits von dem Gewühl der Friedhöfe nur
in sich selber ruhend und die Stimmung schaffend
, sind heutzutage selten genug. — Der
Sarkophag von Knut Akerberg, der das Grab
der bayerischen Prinzessin Mathilde von Koburg
in der kleinen Landkirche bei Rieden schmückt,
ist ein solches Werk, und verdient daher sehr
wohl, daß man darauf hinweist.
Die Form des Sarkophags ist die alte, mit
der ruhenden Figur, wie wir sie aus allen
großen Kunstzeiten kennen. Doch muß man
sagen, daß der Künstler etwas ganz Neues
daraus gemacht hat, daß nichts von alter Konvention
in dem Werke liegt. Auf dem sehr
einfach profilierten Sarkophag ruht die Tote,
in einfach faltigem Gewand, mit Körperformen,
die gerade nur angedeutet sind und so den Eindruck
des schon beinah Wesenlosen, ganz
Vergeistigten, Verklärten machen. Nur der
Kopf, der die edlen, schönen Züge der Verstorbenen
trägt, die einer Idealisierung kaum
bedurften, tritt stark hervor und sammelt alle
Empfindung in sich. Es war eine ganz pracht-
vole Idee des Künstlers, diesen Kopf mit zwei
Puttenzuumrahmen, die inkindlichstillerGeste
ein Gewinde halten: das reiche und doch ruhige
Spiel der Formen in den sehr weit und schön
durchgeführten Kinderkörpern hebt den Kopf,
der Kontrast der Verhältnisse macht ihn groß
und bedeutend, der Gegensatz des Lebens zu
dem Todesschlaf gibt eine schöne, ernste und
dabei lebendige Stimmung, der alles Trostlose,
Düstere fremd ist — eine edle Auffassung
des Todes.
Es ist sehr schön, wie vom Kopfende aus
die Falten in weichen Linien nach unten fließen,
und wie das ganz einfache, für sich kein Interesse
bietende Wappen die Bewegung auffängt
und mit einer gewissen Entschiedenheit zum
Abschluß bringt. Auch die weiche, aber dabei
gar nicht verfließende Profilierung des Sarkophags
selbst hilft noch mit zur Abrundung
und Vollendung des Eindrucks.
Die Abbildungen geben keine Vorstellung
von der Schönheit des Materials, eines dunkel
glänzenden Untersberger Marmors, und von
der Vorzüglichkeit der Steinarbeit, die zum
größten Teil vom Künstler selbst ausgeführt
wurde: es ist wahrhaft echte Steinform, die
ein lebendig fühlender Meißel gebildet zu
haben scheint. w. r.
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