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-ss-4^> DIE PADERBORNER WERKSTÄTTEN *C^=^
das Mittelteil, belebt durch den aufsteigenden
Rhythmus der verschieden großen Schubladen,
trägt einen zurückspringenden Aufsatz, der
hinter Glas die Hüte der Dame zeigen soll, gerade
heuer aber wohl noch nicht geräumiggenug
ist. — Das Bett ist ein Prachtstück. Dadurch,
daß das Fußhaupt stark gerundete Ecken hat,
wird einmal der Weg um das weit ins Zimmer
vorspringende Bett angenehm gemacht, sodann
stehen auch die für die große Breite so wie
so notwendigen vier Füße nicht langweilig in
einer schnurgeraden Linie, und man empfängt
unwillkürlich den Eindruck des behaglichen
Umschlossenseins.— Ein zweiter Schrank bewahrt
in seinem Oberteil auf Glasböden das
Schuhzeug, während die größere untere Hälfte
zur Aufnahme gebrauchter Wäsche bestimmt
ist. Bei den Nachtschränkchen werden die
unteren Kasten zwischen drei durchgehenden
Stollen von karniesförmiggeschweiften Flächen
geschlossen, und auf den in leichten Schwellungen
gedrechselten oberen Stollenenden ruht
die runde Platte mit der Schublade. Vor dem
hohen dreiteiligen Ankleidespiegel, neben dem
bequemen Sessel, steht ein mit Glasplatten
bedecktes, rundes Schränkchen, in dessen
Innern sich auf Spindeln drei weitere Glasplatten
drehen, so daß die Dame im Sessel
sitzend die tausend kleinen Gegenstände, wie
Kämme, Fläschchen und Büchschen bequem erreichen
kann. — Im ganzen Zimmer ist kein
Schlüssel; alle Türen und Schubladen werden
durch Kugelschlösser zugehalten. Massiv silberne
Ringe in einer achteckigen Ebenholzkapsel
mit runder Vertiefung bilden überall
die Griffe, als welche sie nichtauf der Mitte der
Höhe, sondern stets da angebracht wurden,
wo sie für die Hand am bequemsten sitzen.
Die anderen Abbildungen zeigen ein Klinikzimmer
. Es gibt wohl kaum einen Raum,
der so vielerlei Ansprüchen genügen soll, wie
das Krankenzimmer einer Privatfrauenklinik;
der Arzt will es für die Krankenpflege praktisch
eingerichtet wissen, leicht zu reinigen,
zu lüften, zu erwärmen; und die Kranke will
in und außer dem Bette möglichst wenige
der Bequemlichkeiten entbehren, denen zu
Hause eine ganze Reihe von Zimmern dienen
muß. Die beiden Betten, durch eine Nische
zusammengefaßt (die Stoffdekoration hier als
Staubfänger verpönt) sind der leichteren Des-
infizierbarkeit wegen aus Eisen, das mit einer
dem Tone der Wand entsprechenden Oelfarbe
gestrichen ist. Zwischen den Betten steht
ein niedriges schmales Tischchen, zu beiden
Seiten je ein Nachtschränkchen: diese, den
Bedürfnissen bettlägeriger Kranker entsprechend
außergewöhnlich groß, haben an Stelle
der üblichen Türen eine Klappe, die geöffnet
mit dem Boden des Schränkchens eine Fläche
bildet. — Der Raum unter dem Waschtisch
(aus blauem Marmor) ist höchst zweckmäßig
zur Unterbringung eines Heizkörpers ausgenutzt
. Daneben steht, für die Uebergangs-
zeit, noch ein Gaskamin. Die Messingbehänge
haben eine matte angedunkelte Farbe und folgen
beim Waschtische dem leichten Schwünge der
Platte. Die ganze Ecke ist mit grünlich-gelben,
zum Teil braungewölkten Kacheln verkleidet
bis zur halben Höhe des eirunden Fensters,
das auf einen Lichthof führt. In gleicher Höhe
ist dann die Wand grünlich-gelb gestrichen,
über der Rosenranke elfenbeinfarbig getönt,
bis sie mit einer leichten Rundung in die
Decke übergeht. — Die Möbel, die sich um
die beiden großen Seiten des Fensters gruppieren
, sind aus naturrotem Sapeli-Mahagoni,
mit Füllungen von silbernschillerndem afrikanischen
Mahagoni. Anschließend an die
Betten steht eine hohe, leicht geschweifte Kommode
, und die übrigbleibende Ecke ist als
Kleiderschrank ausgenutzt, der durch eine konkave
Tür viel zur Abrundung des Raumes
beiträgt. Gegenüber wiederholt auf der anderen
Seite des Fensters ein zierlicher Glasschrank
, aufgebaut auf einer Kommode mit
tiefen Schubladen, die gleiche Grundrißform.
Eine Holzrückwand in Schrankhöhe, über dem
mit rotem Lederbezogenen Ruhebett, gibt der
ganzen Ecke ein einheitliches Gepräge.
Dr. Arnold Fortlage
GRABSTÄTTE
CARL RITTER VON FABER
Dieses auf dem Schwabinger Friedhofe in
München von Bildhauer Hermann Obrist
errichtete Monument erregt, abgesehen von
seinen künstlerischen Qualitäten, dadurch Interesse
, daß es eine der ganz wenigen plastischen
Arbeiten am Orte ist, die außerhalb der
Richtung der sogenannten Münchner Plastik
stehen, einer Richtung, die unseres Erachtens
infolge der Einförmigkeit, mit der sämtliche
jüngere Kräfte augenblicklich in ihr aufgehen,
eine gewisse Gefahr der Stagnation in sich
birgt. Diese Gefahr ist in letzter Zeit wiederholt
auch von solchen gesichtet worden, die
München durchaus wohlwollen. — Das Grabmal
ist in Donaukalkstein in einer Höhe von
5 Metern von der Firma Aufleger ausgeführt
worden und von Herrn von Faber bei Lebzeiten
in Auftrag gegeben, ein Beispiel, das
der Nachahmung wohl würdig erscheint.
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