http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0209
■1
Die Leitung der Schule liegt in der Hand
des Direktors Prof. Wolbrandt, der es verstanden
hat, sich einen Kreis tüchtiger, und
zwar vorwiegend junger Kräfte als Mitarbeiter
zu gewinnen. Was er anstrebt, das hat er im
Jahresbericht der Schule von 1907, dessen
Durchsicht allen Interessenten warm empfohlen
werden kann, wie folgt auseinandergesetzt:
„Die Handwerker- und Kunstgewerbeschule
setzt sich als Ziel, die Erziehung im Sinne der
kommenden Zeit zu bewirken. Der eingeschlagene
Weg ist daher der, Theorie und
Praxis zu verbinden, die Zweckmäßigkeit eines
Gegenstandes als grundlegende Notwendigkeit
und höchstes Ziel anzuerkennen, das Schmük-
ken in gemäßigter Form zu betreiben, sowie
aus den Formen der Natur Formengesetze und
Farbensprache zu entnehmen und umzubilden.
Die technische und konstruktive Ausbildung
soll die künstlerische, zeichnerische Formen-
gebung berichtigen und so zur Brauchbarkeit
und Schönheit des Gegenstandes führen. Durch
die Benutzung von Maschinen soll weiter von
der sinnlosen Verwendung alter Formen frei
gemacht und mit Maschinen unter Ausnutzung
ihrer Leistungsfähigkeit neue Formen, die neuzeitigen
Zwecken entsprechen, gesucht werden.
Kopieren nach Vorlagen ist daher ausgeschlossen
. Historische Stilarten werden gleichfalls
, wenn auch in geringem Umfange, für die
Ausführung herangezogen. Aufnahmen im
Kaiser Wilhelm-Museum, Aufmessen und Darstellen
älterer heimatlicher Baukunst, sowie
Vorträge, unterstützt durch eine reiche Sammlung
von Lichtbildern, führen in die Erfahrung
und in das Können der vergangenen Zeit-
179
23*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0209