Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 203
(PDF, 147 MB)
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-sr4^> HOLLÄNDISCHES STEINZEUG

HOLLANDISCHES STEINZEUG

Unter den kunstgewerblichen Arbeiten Hollands
nehmen die Töpfereien von Will.
C. brouwer-Leiderdorp einen ehrenvollen
Platz ein, den sie seit dem Jahre 1899, wo
sie zuerst in weiteren Kreisen bekannt wurden,
behauptet haben. Sein Steinzeug hat den Vorzug
, ehrlich und offen das Material zu zeigen;
es ist richtige Tonarbeit, die in Farbe und
Form das Weiche des Tones beibehält. Auf
der Töpferscheibe gedreht und mit eingravierten
Ornamenten geschmückt, gibt es die
künstlerische Verfeinerung der alten Töpfereien
wieder, die Fortsetzung einer schönen
Tradition in würdiger Form.

Die Ornamentierung entspricht dem einfachen
Material. Etwas geometrisch gehalten
schließt sie sich genau den Gefäßformen an
und wirkt um so kräftiger, weil Brouwer
stets sorgfältig auf das Verhältnis der verzierten
zu den blanken Flächen achtet. Durch
das Wegkratzen der farbigen Deckschicht
kommt in den ornamentalen Partien die Grundfarbe
des Topfes zum Vorschein, und dies erhöht
die einheitliche Wirkung der Verzierung.

Der Henkel ist ein wichtiger Teil an diesem
Steinzeug. Er ist stets bequem anzufassen
, und selbst an dem fertigen Gefäß erkennt
man den weichen Tonstreifen, aus dem
der Henkel gezogen ist. Die Ansatzstelle ist
flach ausgearbeitet und bietet oft Anlaß zu
geschickt erfundenen Modellierarbeiten. In
den gelblichen Farben erkennt man das Kolorit
der holländischen Landschaft wieder, die zarte
Farbenstimmung der weiten Dünen an den
Küsten. Die Weichheit seiner Farbenskala
wird durch das Mattbrennen erhöht, und die
matte Pate paßt vorzüglich zum Toncharakter.

Auch in anderer Hinsicht folgt Brouwer
der alten Tradition. In seiner großen Kollektion
findet man nur wenig Arbeiten, die
lediglich den Wert von Luxuswaren haben.
Sie sind fast alle Gebrauchssachen, und das
ist ein bedeutender Vorzug! Prunkvasen haben
wir genug, zuviel sogar, während die einfachen
Gebrauchsgegenstände meist unansehnlich
sind.

Aber mit diesem Streben hat Brouwer
sich keine leichte Aufgabe gestellt. Es ist
doch viel leichter, eine Prunkvase zu machen,
die lediglich ästhetisch wirken soll, als einen
Milchtopf herzustellen, der schön und auch
brauchbar ist. Nüchterne Erwägungen sind
hier nötig; der Milchtopf muß z. B. eine so
große Oeffnung haben, daß er bequem zu
reinigen ist. Die Glasur muß tadellos sein,
weil sonst die Milch in die Glasurrisse dringt.
Der Henkel muß gut geformt sein, um ein
bequemes Ausgießen zu ermöglichen. Die
Tülle muß so gebildet sein, daß beim Ausgießen
kein Tröpfchen hängen bleibt. Die
Tonmasse muß so beschaffen undgebrannt sein,
daß der Topf das Eingießen von heißer Milch
ertragen kann, ohne zu springen. Fügt man
zu all diesen Forderungen noch die Preisfrage
, dann erkennt man, wie schwer es eigentlich
ist, einen Milchtopf herzustellen, der
schön und brauchbar ist. Brouwer ist es
jedoch gelungen, diesen Anforderungen zu
genügen, und seine Arbeiten zeigen schon
einen eigenen Stil von einem schönen, intimen
Charakter. Und was ebenfalls nicht wundern
kann, sein Streben hat in der kleinen Heimat
viel Anerkennung gefunden ; in keiner besseren
Haushaltung fehlt sein Steinzeug.

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