Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 206
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■^£> JAN EISENLOEFFEL <^-^

einen Festsaal, einheitlich aus Fliesen in Verbindung
mit Mosaik auszubauen, nicht erfüllt
werden konnte, so zeigen doch seine vortrefflichen
Arbeiten dieses Gebietes, daß er der
Künstler ist, der jener uralten Mosaiktechnik
ganz neue und eigenartige Wege in unserer
Zeit bahnen könnte. Da ihm bei den „Vereinigten
Werkstätten" eine kleine Mosaikfabrik
zur Verfügung steht, so will er in Zukunft
dieses ihm so sehr zusagende Gebiet, auf
dem anderorts bei uns heute keineswegs so
künstlerisch, wie es nötig und möglich wäre,
geschaffen wird, nach seinem Empfinden und
Gefühl ausbauen und vornehmlich auf ihm
tätig sein. Es ist, wie Jan Eisenloeffel
kürzlich mir gegenüber bemerkte, allerdings
auffällig, daß diese so außerordentliche Wirkungen
gewährende Technik von unseren
Künstlern noch so gut wie garnicht in den
Bereich ihres Schaffens gezogen worden ist,
obwohl sie sich vorzüglich dazu eignet, Wände,

JAN EISENLOEFFEL « MARMOR KAM IN MIT MOSAIK UND

MESSINGOFEN « AUSFÜHRUNG DER MARMORARBEITEN: MARMORINDUSTRIE
KIEFER IN KIEFERSFELDEN, DES OFENS: EUGEN
EHRENBÖCK, KUNST-METALL-WERKSTÄTTEN, MÜNCHEN « « «

Decken und Fußböden von bestimmten Pracht-
und Prunkräumen, Festsälen, Hallen, Vestibülen
, Pavillons auf das reichste und feinste
mit leuchtenden Flachornamenten zu schmük-
ken. Wenn auch die kaleidoskopartige Wirkung
des Mosaik nicht überall hingehört und
paßt und sehr häufig bei seiner Anwendung
durch falsche Farbenzusammenstellungen unfeine
oder vergröberte Effekte erreicht werden
, so beweisen die Arbeiten Jan Eisen-
loeffels dagegen überzeugend, wie ein feinfühlender
Künstler diese Fehler vermeiden
und Reize erzielen kann, die außerordentlich
dezent und vornehm sind. So gehören seine
letzten Arbeiten auf diesem Gebiet zu dem
Interessantesten und Schönsten, was wir hier
bisher zu sehen bekommen haben. An orientalische
Farbenpracht und orientalischen Formensinn
erinnern diese prächtigen Werke, und
man kann in ihnen unschwer den Einfluß erkennen
, den ein längerer Aufenthalt des Künstlers
in Rußland, vornehmlich in St. Petersburg
und Moskau, nach dieser Seite hin auf
ihn ausgeübt hat. Ueberhaupt haben die Eindrücke
, die Jan Eisenloeffel in Rußland
empfing, dem Reiche des farbenfrohen Emails
und Niellos, wo noch fast überall die guten
alten handwerklichen Techniken einer Volkskunst
auf diesen und anderen Gebieten in
seltener Vollendung herrschen, den tiefsten
und nachhaltigsten Einfluß auf das bedeutende
Können des Künstlers in mehrfacher
Hinsicht ausgeübt. Seitdem der Künstler verheiratet
ist, besitzt er in seiner Gemahlin
eine geschickte Mitarbeiterin, die ihn in den
feinen Techniken des Gravierens, Niellierens
und Ziselierens bei seinem ausgebreiteten
Schaffen unterstützt.

Klare, zweckentsprechende Formen, die immer
gediegen und wertvoll sind, einfaches
aber vornehmes Ornament, da wo es hingehört
, ohne die vollendete Zweckform des
Gegenstandes zu beeinträchtigen, zeichnen
alle Arbeiten Jan Eisenloeffels aus. Wie
er bei seinen vortrefflichen Metallarbeiten
den Hauptwert auf eine handliche, sachgemäße
Gestaltung legte, wie er stets darnach
strebte, bei diesen rein praktischen Zwecken
dienenden Gegenständen dem Ideal der vollkommensten
und zutreffendsten Urform, der
eigentlichen Kernform, am nächsten zu kommen
, wodurch diese Arbeiten neben ihrer ausgedehnten
Anwendungsmöglichkeit in unserem
Haushalt auch einen bedeutenden vorbildlichen
und erzieherischen Wert erhalten, so ist auch
sein Streben bei den größeren, in der letzten
Zeit in Deutschland geschaffenen Werken beständig
darauf gerichtet gewesen, durch die

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