Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 209
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-sM^X'GILDEMEISTERS GÄRTEN <^=^

FR. GILDEMEISTER-BREMEN

AUS DEM HAUSGARTEN C. H. GILDEMEISTER IN BREMEN

GILDEMEISTERS GÄRTEN

Die Schwierigkeit bei der Anlage von Gärten
dreht sich heute nicht einfach mehr um
den Entschluß, nach welchem der beiden Hauptprinzipien
man sich richten soll — „Landschaftsgarten
" oder,, ArchitektonischerGarten". Wenn
es nur das wäre, so würde der verantwortliche
Leiter der Anlage sich mit dem Besitzer über
die Geschmacksfrage auseinandersetzen, und
wenn dieser eine freie ungebundene Natur liebt,
wird er sich an den Landschaftsgarten halten
und das andere, die geschnittenen Hecken und
gestutzten Bäume, die regelrechten Linien und
geometrischen Beete, wird er denen überlassen,
denen die Kunst höher steht als die Natur.

Warum liegt nun aber die Entscheidung nicht
in diesem Entweder — Oder? Der architektonische
Garten paßt so, wie er entstanden ist, nicht
einfach in unsere Kultur. Der Giardino Boboli
ist nur denkbar neben einem Palazzo Pitti, und
den bauen wir nicht mehr — oder, wenn wir
es tun, nicht mehr in eine hügelige Landschaft
am Arno, sondern an eine Straße in München.
Daher, weil unsere Architektur ganz anders
geworden ist, bedürfen jene Gärten, wie sie
uns z. B. die Stiche des Israel Silvestre so
anschaulich aus der Umgegend des alten Paris
vorführen, einer bedeutenden Modifizierung.
Wir haben keine Zeit, in breiten pompösen

Röcken zwischen den Buchsbaumwänden und
dengeschniegelten Parterreszu spazieren; wenn
wir Zeit haben, spielen wir Golf oder genießen
die Natur mit der Flinte unterm Arm, den Hund
zur Seite. Der reine Architekturgarten müßte
auf diese Weise bald menschenleer sein. Aber
auch der alte Landschaftsgarten ist für unsere
Zwecke nicht ohne weiteres brauchbar. Bei ihm
ist das Landschaftliche die Hauptsache, und die
Häuser, Gutshof und Wirtschaftsgebäude, nehmen
nur einen kleinen Teil für sich in Anspruch
; ihre nähere Umgebung, Blumen- und
Küchengarten, gehen fast restlos auf im ganzen.
Heute aber dominiert als maßgebender Faktor
durchaus das Haus. Es steht nicht irgendwo
auf dem riesigen Gelände, sondern das Gelände
muß nach ihm orientiert werden. Und
auch der an sich so einleuchtende Vorschlag,
daß man nahe am Hause Architekturgarten,
dann Nutzgarten, dann Wiesengarten und endlich
Park anlegen solle, ist einmal ästhetisch
unmöglich, weil man dann statt eines auf einmal
vier Gärten hätte, dann aber scheitert es
auch wieder an derselben Schwierigkeit, der
Raumfrage.

Der einzig gangbare Weg bleibt der, daß
man in jedem Einzelfall die vorhandenen Bedingungen
prüft. Man muß das Haus und

Dekorative Kunst. XII. 5. Februar 1909.

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