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-^=4g5> CURT STOEVINGS LANDHAUS AM NUSZBAUM <^^~
CURT STOEVING-BERLIN
KAMIN-NISCHE DER HALLE
zur Wohnung." Ist die Halle der Kernpunkt
im Innern, die Lunge und das Herz, in denen
Lebensaufnahme und Austausch sich vollzieht
, so hat die Nordseite des Landhauses
am Nußbaum die Bedeutung des Gesichtes.
Der Grundriß gibt einen Begriff von der
Riesigkeit der dem Hause an dieser Stelle
vorgelagerten Terrasse. Sie ist eben gedacht
als der Familienraum im Freien und so das
Gegenstück zur Halle. Ueber ihr erheben sich
in zwei Stockwerken große Balkone, die sich
von der Bibliothek, vom Elternschlafzimmer
und Morgenzimmer aus erreichen lassen. Mit
allen Mitteln wurde versucht, die günstige
Beschaffenheit des Bauplatzes zu originellen
Werten des Hauses selbst zu machen, und
das scheint auch gelungen zu sein.
Ich habe noch kein Haus gesehen, dem ich
eine ähnlich glückliche Orientierung zuzusprechen
vermöchte. Was bedeutet es daher,
wenn man mit der kubischen Form dieses
Bauwerks nicht durchaus einverstanden sein
kann, wenn die Dachbildung eine gewisse Unruhe
zeigt und sich bei der Gesamtgestaltung
von einigen Seiten nicht ganz angenehme Gesamtverschiebungen
ergeben. Ich habe auch
konstatiert, daß bei einer guten Lösung der
räumlichen Verhältnisse im Innern die ästhetische
Wirkung des Aeußern keine so große
Rolle mehr spielt, und im übrigen handelte
es sich hier ja um ein Landhaus, um ein
architektonisches Individuum, das sich kleiden
kann, wie es will, mit der ganzen Ungebun-
denheit etwa, mit der man sich für einen
Ausflug anzieht. Weder braucht es einen Frack
noch eine Uniform zu tragen.
Aus den beigegebenen Grundrissen wird
man sich die Zusammensetzung der Räume
des ganzen Hauses leicht veranschaulichen
können. Im Erdgeschoß liegen außer der Halle
und dem Vorplatz, Boudoir, Speisezimmer,
Wohnzimmer und Kinderspielzimmer, dann
abgetrennt von diesen Küche, Anrichte und
Speisekammer. Durch die von der Halle aus
in das erste Obergeschoß aufsteigende Treppe
wird eine viel engere Verbindung der Räume
des ersten Obergeschosses mit den unteren
Räumen und dem Hallenkern bewirkt. Rechnet
man noch die im zweiten Obergeschoß liegenden
Räume der Bibliothek und des „Werkraumes
", die auch von der Halle aus zu erreichen
sind, hinzu, so ergibt sich im Innern
ungefähr die Anordnung eines Eies, dessen
Dotter auf die Seite gerutscht ist. Der Dotter,
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