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-^4cg> GRAPHISCHE ARBEITEN HANS VOLKERTS <^=^
Es sind liebenswürdige Gaben einer feinen
Künstlerhand. Freilich das Beachtenswerteste
hat er uns auf dem Gebiete der Radierung
gezeigt. Seine Landschaften: „Blutenburg",
„Pfaffing", „Regen" etc., dokumentieren den
angehenden Meister; seine große Arbeit „Unter
Föhren" (Abb. S. 262), eine der stimmungsvollsten
Baumgruppen, die man von den
jüngeren Kräften sehen konnte, ist bis jetzt
wohl seine gelungenste Schöpfung. Nicht
vergessen dürfen wir seine anmutigen Kinderköpfchen
und namentlich auch seine Exlibris.
Von diesen spricht uns besonders an sein
eigenes warmempfundenes, mit dem Taubenpaar
, das poetisch duftige für Büdel mit Bienen
und blühendem Gezweig, das gedankentiefe,
herrlich radierte für Fähndrich („Alles Vergängliche
ist nur ein Gleichnis"), und das
originell-komische für Grasmaier mit seinem
mineralienverliebten urwüchsigen Volksschullehrer
. Nicht minder Beachtung verdienen
seine Leistungen auf dem Gebiete der Buchausstattungskunst
(Textillustrationen, Buchumschläge
) und seine Besuchs- sog. Visitkarten
, mit denen er aus einem größeren Wettbewerb
als erster Preisträger hervorging. Sein
Grundsatz „bevor man malt, möge man erst
richtig zeichnen lernen", spricht am besten
für die Gründlichkeit und den Ernst seines
Wesens. Ja, der Gipfel der Kunst kann nur
auf dem Wege ernstesten Strebens erreicht
werden. Sei es dem jugendlichen Künstler
vergönnt, dieses hohe Ziel zu erreichen! g.m.
hans volkert naturstudie
TYPENMOBEL
Ein hübsches Wort fiel vorigen Sommer auf
einem der Münchner Kongresse in dem
Sinne etwa: nur solange wollten unsere Künstler
sich der angewandten Kunst widmen, bis
für das Kunsthandwerk der rechte Weg gefunden
sei, weiter finden würde sich dieses
dann schon von selbst. Fast möchte man
meinen, wenn man heute die Räume der Ausstellung
der „Vereinigten Werkstätten für
Kunst im Handwerk A. G." durchschreitet,
die von Bruno Paul mit Typenmöbeln versehen
sind, *) dieser Zeitpunkt sei nicht gar
so fern mehr.
Das Eintreten von Künstlern für angewandte
Kunst setzte in Deutschland etwa Mitte der
neunziger Jahre vorigen Jahrhunderts ein. Es
hat nicht lange gedauert, und sie erkannten,
daß wir für unsere alltägliche Umgebung gar-
nicht ein mit Schmuck überreich versehenes
*) Vgl. Novemberheft 1908, Seite 86 u. f.
Meublement nötig haben, sondern uns im
Gegenteil am wohlsten in einer Wohnungseinrichtung
fühlen, die vorwiegend durch gute
Raumverhältnisse, schön abgestimmte Farben,
Güte von Material und Arbeit wirkt und vor
allem die Vorschriften der Zweckmäßigkeit
erfüllt. Diese Forderungen der Aesthetik begegneten
sich auf das glücklichste mit denen
unserer heutigen Wirtschaftsform, die auf Maschinenbetrieb
und fabrikmäßiger Herstellung
der Gebrauchsgegenstände fußt: wie die Maschine
ihr auf Folgerichtigkeit, Präzision und
Gediegenheit beruhendes eigenes Schönheitsgesetz
besitzt, so auch das aus der Maschine
hervorgehende Produkt. Reine Zierformen,
die am handgefertigten Gegenstand so gefallen
, treten bei mechanischer Vervielfältigung
besser zurück. Der Reiz des Persönlichen
geht nicht mehr vom Verfertiger eines Gegenstandes
aus, sondern muß vom Gebraucher
oder Besitzer hineingetragen werden. Indem
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