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^=4^> TYPENMÖBEL <^$^
hans volkert exlibris (radierung)
kommen —- die Verfertiger der Typenmöbel
einen großen Absatz erzielen, so müssen sie
sich eben an Etagenbewohner wenden. Darum,
so meine ich, sollten sie sich einen zweiten,
in der Sonderausstellung des Scherischen Verlages
zum Ausdruck kommenden Gedanken in
der allerausgiebigsten Weise zunutze machen
und, wie dort Eigenhäuser, so ein ganzes Mietshaus
vom Keller bis unter das Dach einschließlich
Treppenhaus und sämtlicher Gebrauchsgegenstände
einrichten und „ausstellen". Einen
nicht genug zu würdigenden Vorstoß hat ja
die Möbelhandlung von Dittmar unter Leitung
des Künstlers Münchhausen in dieser Richtung
bereits unternommen, indem sie eine
ganze Hinterwohnung in der Tauenzienstraße
ausmöblierte, und die „Vereinigten Werkstätten
" sind ihr in der Königgrätzerstraße
bis zu einem gewissen Grade gefolgt. Die
Idee muß aber noch großzügiger ausgebaut
werden. Erst dadurch werden aller Augen
auf die Sache gewiesen, und nur durch ein
derartiges Mittel vermag eine ähnliche Völkerwanderung
herbeigelenkt zu werden, wie sie
dem Scherischen Unternehmen beschieden war.
Ich weiß recht wohl, was jeder, der bis hierher
gefolgt ist, einwerfen wird : die Kosten.
Doch dieses Bedenken ist nicht unüberwindlich
.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß viele
unserer Großbanken ihr Effektenportefeuille
stark mit Papieren von Terraingesellschaften
belastet haben, deren Gelände Berlin rings
umgeben.
Infolge des teueren Geldes der letzten Jahre
ist besonders der Hypothekenmarkt stark in
Mitleidenschaft gezogen, und die Bautätigkeit
hat erheblich abgeflaut. Bei den sich zurzeit
bemerkbar machenden Anzeichen für eine günstigere
Gestaltung der Dinge müßte es daher
einer interessierten Bank- oder Terraingesellschaft
ganz besonders daran liegen, gerade
auf ihr Terrain die Aufmerksamkeit von Reflektanten
durch irgend etwas zu lenken. Für
sie wäre es daher ein durchaus gewinnverheißendes
Unternehmen, wenn sie sich das
zweifellos in weiten Kreisen gefühlte Bedürfnis
nach einfachen aber geschmackvollen Mietwohnungen
zunutze machten und, wie der
Scherische Verlag Mustereinzelhäuser, so
Mustermiethäuser mit allen den oben geschilderten
Erfordernissen versehen, auf ihre
Gelände stellten.
Dabei würde sich wie nie zuvor eine Gelegenheit
bieten, die langersehnte Lösung des
Problems herbeizuführen, eine allen Anforderungen
des Geschmacks und der Zweckmäßigkeit
entsprechende architektonische Form des
Miethauses zu finden. Denn ein derartiges
Haus würde sich nicht wie bisher in den
meisten Fällen aus dem Bedürfnis nach einer
schönen Fassade entwickeln, sondern von innen
heraus aus einer den Bedürfnissen von Geschmack
und Zweckmäßigkeit Rechnung tragenden
Raumverteilung.
Deutschland ist ein mit Quellen von Bodenprodukten
minder gesegnetes Land. Will es
eine dominierende Stellung auf einem Gebiet
der Gütererzeugung ausüben, so weist diese
seine Armut von selbst auf die Produktion
von Dingen, die ihren Wert durch den in ihnen
enthaltenen Aufwand von Geist oder Geschmack
erhalten. In den Typenmöbeln ist ein solches
Erzeugnis gegeben, das gerade deshalb denen
der beiden sonst an der Spitze des Geschmacks
marschierenden Nationen Frankreich und England
überlegen ist, weil es neben der Aufwendung
vollendeten Schönheitssinnes klug Bedacht
nimmt auf das moderne Produktionsmittel
, die Maschine. Gelingt es, diesen Keim
im Lande zu kräftigen, dann dürfte am Ende
die Zeit nicht so fern sein, wo, wie Friedrich
Naumann kürzlich in einem Vortrag „Kunst
und Volk" ausführte, „es uns mit der Raumkunst
geht, wie etwa Paris mit der Mode, und
alle Welt von uns kauft".
Dr. Hermann Post
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