Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 271
(PDF, 147 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0302
-sM^> KUNST UND MODE ~C^=^

RUDOLF ALEXANDER SCHRÖDER-BERLIN SCHLAFZIMMER EINER DAME

AUSSTELLUNG „DIE DAME IN KUNST UND MODE", BERLIN

Rolle, die ihm anderswo, in kleineren Zentren,
schon bereitwillig zugestanden wird. Er darf
sich zu dekorativen Zwecken, als Tafelaufsatz
und als Eröffnungsstatist, benutzen lassen,
aber er darf sich keine Rolle anmaßen. Die
Rolle spielt die Gesellschaft, jene Massenhaftig-
keit ununterscheidbarer Individuen, denen bei
uns noch jedes Kulturgewissen fehlt.

Haben wir überhaupt in Berlin eine Gesellschaft
? Ich will das hier nicht definitiv
entscheiden. Aber es scheint mir, als hätten
wir nur eine große Anzahl von Leuten, die
immer dabei gewesen sein müssen, deren
Kenntnislosigkeit nur durch eine routinierte
Pose verdeckt wird und die, da es ihnen
selbst an Persönlichkeit gebricht, auch am
Künstler das Persönliche nicht lieben.

Weiterhin gibt es in Berlin eine Reihe flinker
Firmen, die die Schlagworte schnell auffangen
und Zeitströmungen ausnutzen. Die lenken
die Gesellschaft wie ein Puppenspiel und
ignorieren nach Kräften die Künstler.

Dies ist aber das Schlimmste: daß die ehrliche
künstlerische Arbeit in Mißkredit gerät
und die Massenhaftigkeit den Trumpf ausspielt
. Es geht auch so und vom Standpunkt
reklamewütiger Geschäftsroutine aus vielleicht
besser. Dieser Massencharakter bei
erlesenem Luxus, dieses Geschäftsmäßige bei
dem ausgesprochen Persönlichen, das solche
Darbietung haben sollte, diese Kulturlosigkeit
bei dem anscheinend einzig Kulturellen, das
ist der fundamentale Mangel an Logik, an
dem solche Ausstellungen scheitern.

Hier hätte jedes Gebiet gesondert behandelt
werden müssen. Und jedes Gebiet hätte nur
eine Auslese zeigen dürfen. Und dieser Auslese
hätte ein Künstler jeweilig ein raffiniertes
Gepräge geben müssen. So aber ist das
Resultat ein Sammelsurium; man staunt über
die Kulturlosigkeit unserer „höheren" Kreise
und stellt fest, daß der Begriff Masse nicht
nur den unteren Schichten gehört. Das ist
vielleicht das geradezu Tragische, das den
modernen Bestrebungen anhaftet, daß auch da,
wo persönliche Kultur vorausgesetzt wird, das
Vulgäre Geltung hat. Während aber die Masse
der unteren Schichten als Ganzes Einheit und
Größe, ja Wucht und Rhythmus der Erscheinung
hat und in sich etwas Gesetzmäßiges, zeigt

271


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0302