Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 273
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^=4sö> GLASGEMÄLDE-ENTWÜRFE

ALOIS BALMER-MÜNCHEN « ENTWÜRFE FÜR FENSTERVERGLASUNGEN IN EINEM TREPPENHAUS

GLASGEMÄLDE-ENTWÜRFE VON ALOIS BALMER

Die moderne Kunst scheint nur wenig Platz
für die Glasmalerei zu haben. Die Zeiten
des altertümelnden Atelierstils, zu dessen Requisiten
neben den unvermeidlichen Butzenscheiben
häufig genug die Glasmalerei gehörte
, sind endgültig vorbei. Wir finden nicht
mehr viel Vergnügen an Stimmungen, wie in
Fausts Studierstube:

>Wo selbst das liebe Himmelslicht
Trüb durch gemalte Scheiben bricht«

und das Streben unserer modernen Künstler
nach weiträumigen, hellen Wirkungen scheint
die Glasmalerei ganz und gar überflüssig zu
machen. Und doch steigerte sich seit den
Zeiten, da Frank sich rühmte, die Kunst der
Glasmalerei neu entdeckt zu haben, die Produktion
an Glasgemälden zusehends, und fast
in jedem Jahr werden neue Entdeckungen gemacht
, um entweder der alten Technik so
nahe als möglich zu kommen, oder um neue
Raffinements zu erzielen.

An sich fehlt es wohl nicht an Aufgaben.
Häufig findet man gerade in guten modernen
Innenräumen Verglasungen von durchaus diskreter
Wirkung, und bei Bauten repräsentativer
Natur ist die Glasmalerei nur schwer zu
entbehren. Die Kirche freilich, die weitaus
am meisten der Hilfe dieser Kunst bedarf, bewährt
sich heutzutage am allerwenigsten als
jene enorme Kunst fördernde Kraft, die sie
das Mittelalter hindurch war, und unter den
Scheußlichkeiten, mit denen im Namen der
religiösen Kunst unsere Kirchen verunziert
werden, sind häufig genug die scheußlichsten
— die Glasgemälde. Es ist nicht leicht, gute
Glasgemälde zu entwerfen, und es gibt nur
wenige, die es können.

Alois Balmer, von dessen Kunst hier einige
Proben gegeben werden, gehört zu denen, die
sich ernsthaft darum bemühen. 1866 in Luzern

als Sohn eines Malers geboren, kam er vor
15 Jahren auf die Münchner Akademie, um
Maler zu werden, machte nach vollendetem
Studium Reisen ins Ausland und ist seit einiger
Zeit dauernd in München ansässig. Er hat
sich schon auf den verschiedensten Gebieten
betätigt, EntwürfezuWerkenderGoldschmiede-
kunst gemacht, eine größere Anzahl von Ex
libris gezeichnet und verschiedene Wandgemälde
für Kirchen gefertigt; am meisten ist
er jedoch als Zeichner von Glasgemälden bekannt
geworden. Eine Reihe von Kirchenfenstern
(in Hildisrieden im Kanton Luzern,
in Reichenbach im Berner Oberland, in der
Nikolauskirche zu Freiburg i. Ü., in der Barfüßerkirche
zu Luzern, im Chor der Kirche
zu Herzogenaurach in Franken u. a.), die auf
Balmer zurückgehen, bewegen sich noch ziemlich
in den alten Bahnen der retrospektiven
Kunst, von größerem Interesse sind uns jene
Werke, die als Neuschöpfungen gelten können.

Die alte Schweizer Sitte der Wappenschenkungen
gab Veranlassung zu einer Serie von
Wappenscheiben in der Kapelle im Rieder-
tal im Kanton Uri. Als geborenem Schweizer
mußte Balmer diese Aufgabe besonders nahe
liegen, allein er löste sie durchaus nicht im
Sinne der in so reicher Fülle vorhandenen
alten, einheimischen Vorbilder. Die allzu behagliche
Breite und das hausbackene Wesen
dieser Alten widersprach seinen Absichten, die
vielmehr auf Vereinfachung und kräftige, dekorative
Wirkung abzielten. Der Wappenschild
mit dem Kleinod ist unbedingt die Hauptsache,
das, was zunächst ins Auge fällt, der Hintergrund
ist mit Damastmustern belebt, die Inschrift
am Rand in einfachen monumentalen
Typen angebracht. Die Städtewappen zeigen
an Stelle des Kleinods einen Baldachin, die
Familienwappen bedeuten heraldisch insofern

Dekorative Kunst. XII. 6 Marz 1909.

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