Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 274
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ALOIS BALMER: GLASGEMÄLDE-ENTWÜRFE <^v~

eine Neuerung, als der Helm weggelassen und
das Kleinod über dem Schild auf eine Stange
aufgesetzt ist — eine Ungesetzlichkeit, die
nicht ohne Geschick durchgeführt ist. Die
Scheiben sind in der Weise in dem Fenster
verteilt, daß einer großen im oberen Teil des
Fensters immer zwei kleine im unteren Teil
entsprechen, das übrige ist farblos verglast.

Wie Balmer die menschliche Figur auffaßt,
zeigt ein Entwurf für ein Schiffenster in der
Kirche zu Herzogenaurach, das noch der Aufstellung
harrt. Die Zeichnung stammt aus einer
Serie von Darstellungen, die Sünde und Erlösung
versinnbildlichen — eine Art typologi-
scher Bilder, wie sie das 13. Jahrhundert in
so unübertrefflicher Weise in den Fenstern der
großen Kathedralen wiedergegeben hat. Trotzdem
ein Vergleich mit diesen Vorbildern immer
zu Ungunsten des modernen Künstlers ausfallen
muß, glaubt man in Balmers Entwurf
doch etwas von ihrem Geist zu spüren: die
kräftige, markante Zeichnung, die Art, die
Figuren in den Raum zu stellen, die Selbstbeherrschung
in der Naturwiedergabe und das
durchaus Typische der Auffassung. Wie bei

dem vorhergehenden Beispiel so ist auch bei
diesem Werk das Prinzip festgehalten, nur
einen kleinen Teil des Fensters mit Glasgemälden
zu schmücken, der größte Teil der
Fläche ist farblos verglast, nur das Musterwerk
ist farbig mit Ornamenten verziert.

Eine andere Form der Wappenscheibe vertreten
die erst vor zwei Jahren gefertigten vier
Tafeln in der Schlachtkapelle zu Morgarten,
mit dem Wappen der Eidgenossenschaft und
der alten Kantone, die die Schlacht geschlagen.
Das Wappen tritt zurück hinter dem Figürlichen
, Heilige, Bürgersleute, Gewappnete, die
in der Weise, wie sie disponiert sind, etwas
an die alten Wappenhalter erinnern. Die Umrahmung
besteht aus strengstilisierten Blättern
und Ranken in rein komplementärem Farbenwechsel
von der glücklichsten dekorativen Wirkung
; besonders geschickt ist die Schrift in
den Rahmen hereingezogen. Die Szene ist
möglichst einfach gegeben, stumpfe gelbe und
grüne Flächen deuten die Landschaft an, desto
kräftiger farbig — rot und blau — sind die
Figuren. In der Zeichnung vermag der figürliche
Teil jedoch nicht ganz zu befriedigen.
Es scheint nicht vollständig jenes Gesetz befolgt
, das für die Kunst der Glasmalerei vor
allem unerläßlich ist: den Natureindruck so
sehr dem starren, dekorativen Stil dieser Kunst
unterzuordnen, daß beide restlos ineinander
aufgehen. In
den Köpfen, in
den Gewändern
sind noch
soviel rein

zeichnerische
oder malerische
Werte, die
die Harmonie
des Ganzen
stören. Wie
weit der Besteller
dabei
von Einfluß
war, oder wieviel
der ausführende
Glasmaler
verschuldete
, mag

dahingestellt
bleiben, jedenfalls
ist das ein
Mangel, der die
Wirkung moderner
Glasgemälde
häufig
beeinträchtigt.
Eine Probe

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