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^sö> ELEKTRISCHE KRONLEUCHTER <^=^
arch. a. lebach-darmstadt « elektrische lüster mit glasketten « lüster, versilberte bronze, entw.
ausführung: josef zimmermann & co., münchen u. ausf.eugen ehrenböck, münchen
Um der Geschmacksverwirrung des großen
Publikums, die durch die Masse der un-
künstlerischen Erzeugnisse unserer keramischen
Fabriken heute noch wie ehedem hervorgerufen
wird, wirksam entgegenzutreten,
konnten die staatlichen und kommunalen Verwaltungen
zunächst nichts Besseres tun, als in
den kunstgewerblichen Lehranstalten Werkstätten
für den praktischen Unterricht in der
Töpferei zu errichten. Die aus diesen Werkstätten
hervorgegangenen Arbeiten haben denn
in den größeren kunstgewerblichen Ausstellungen
der letzten Jahre auch fast überall die
gebührende Beachtung gefunden.
Auch Württemberg hat sich mit zwei keramischen
Lehrwerkstätten dieser Bewegung angeschlossen
. Beide befinden sich in Stuttgart,
die eine an der kunstgewerblichen Abteilung
für Frauen und Mädchen der Städtischen Gewerbeschule
, die andere an der Kgl. Lehr- und
Versuchswerkstätte der Kgl. Kunstgewerbeschule
. Als Lehrer der Werkstätte der Städtischen
Gewerbeschule ist seit der Gründung
der kunstgewerblichen Abteilung im Jahre 1900
der Keramiker und Zeichenlehrer August
Hoffmann tätig, von dessen Wirken hier einige
Proben Zeugnis ablegen. Schon verschiedene
Ausstellungen gaben der Schule und ihrem
keramischen Lehrer Gelegenheit, mit eigenen
Töpfereierzeugnissen vor die breite Oeffent-
lichkeit zu treten; im verflossenen Jahre war
es besonders die Stuttgarter Bauausstellung.
Die Aufgabe der Schule, zu beweisen, daß
sich auch aus den bisher mißachteten württembergischen
Tonerden in technischer Hinsicht
einwandfreie und zugleich in künstlerischer
Hinsicht vorbildliche Töpfereien herstellen
lassen, war gewiß nicht leicht, da eine Ueber-
lieferung, wie sie vielerorts besteht, hier nicht
vorhanden war. Es ist Hoffmann aber gelungen
, nach mehrjährigen Versuchen mit dem
in Württemberg heimischen Ton, insbesondere
auch durch entsprechende Mischungen nicht
nur tadellose Scherben zu erzielen, sondern
auch alle in neuester Zeit bekannt gewordenen
künstlerischen Glasuren darauf herzustellen.
Er hat sowohl die einst so beliebten Lüsterglasuren
, wie auch die neuerdings mehr bevorzugten
Reduktions- und Ueberlaufglasuren zur
Anwendung gebracht. Als neueste Verwendungsmöglichkeit
kunstkeramischer Erzeugnisse
zeigte die Schule auf der letzten Weihnachtsausstellung
im Landesgewerbemuseum
silberne Gürtelschließen mit Einlagen von
reizend glasierten Tonplättchen.
Kurt Schmidt
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