http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0331
-sr4^> RICHARD RIEMERSCHMID
LANDSITZ WIELAND, HERRLINGEN
EINFAHRT UND STALLGEBÄUDE
fertigen Subjektivität und dem Fehler dieser
Armut geht Riemerschmids Schaffen einen
sicheren Weg. Von jener hebt es sich durch
Ruhe und objektive Gesetzmäßigkeit, von
dieser durch persönliche Wärme und ein deutlich
erkennbares malerisches Element ab.
Ein Künstler wie Riemerschmid wird nicht
leicht in die Lage kommen, über allzu strenge
Begrenzung der Aufgabe, über allzu eingehende
Wünsche des Auftraggebers zu klagen, wie
das heute so oft geschieht. Da er sich nach
Zwecken sehnen muß, als dem einzigen Stoffe,
an dem die Gestaltung sich bewähren kann,
müssen ihm gerade schwierige, vielfach beschränkte
Aufgaben willkommen sein. Ich halte
ihn deshalb für den idealen Typ des Architekten,
da diesem nicht nur das Gelände
, das Raumbedürfnis, die
Geldmittel, die behördlichen
Vorschriften, sondern auch die
zahlreichen Wünsche des Auftraggebers
Grenzen setzen und
somit Stoff zur Gestaltung liefern
. Die Kunst stammt aus
dem Leben, sagt man. Was dem
Malerund Dichter das Leben ist,
das sind dem Architekten und
Kunstgewerbler die Zwecke
und Materialien.
Es würde zu weit führen,
wollte ich diese zeugende Kraft
der Zwecke an dem Illustrationsmaterial, das
diese Zeilen begleiten, im einzelnen nachweisen
. Wie amüsant ist es beispielsweise zu
sehen, daß bei dem Landhause Frank in
Witzenhausen eigentlich der in der Mitte der
Terrasse stehende alte Birnbaum entscheidend
auf die gesamte bauliche Anlage eingewirkt
hat! Der Grundriß (auf dem der Baum nicht
bezeichnet ist) läßt erkennen, daß das ganze
Haus um den Baum herumgebaut ist. In ihm
war das erste Moment zur Gestaltung des Ganzen
gegeben, von da an geht es weiter: der
Wunsch, die nahrhaften Gerüche der Küche
den Wohnräumen fernzuhalten, führt den
stumpfwinkligen Anbau der Wirtschaftsräume
herbei, an die von dem Baum „gewollte"
LANDSITZ „WlELRND,, in
HERRLINSEN bei ULM
WIRTSCHAFTE uno5TRü:6EBRUDE
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