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-^4^> RICHARD RIEMERSCHMID <^o-
LANDHAUS FRITZ FRANK
EINGANG UND GRUNDRISZ
Verständnislosigkeit für die Zusammenhänge
zwischen Material, Technik und Form die sehr
individuell gestalteten Arbeiten moderner
Künstler zu kopieren und für ihre Zwecke
auszuschöpfen. Darüber, daß beide Wege Irrwege
waren, bestehen heute kaum mehr Meinungsverschiedenheiten
. Wir stehen vor der
Frage, wie sich künstlerische Gesichtspunkte
in die moderne gewerbliche Produktion einführen
lassen unter voller Berücksichtigung
der Eigenarten dieser Produktion, sogar unter
Verwertung dieser Eigenarten für den künstlerischen
Zweck.
Dieser Aufgabe soll die Vermittlungsstelle
der Münchner „Vereinigung für angewandte
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Kunst" dienen. Will man erkennen, welche
Wege im einzelnen einzuschlagen sind, so
muß man sich darüber klar werden, weshalb
mit dem Aufkommen kapitalistischer Produktionsformen
der künstlerische Geist aus der
Produktion verschwand. Man gibt häufig zu
einseitig der Maschine die Schuld daran, oder
vielmehr der Maschinentechnik. Von mindestens
ebensogroßem Einfluß waren die durch
die Maschine herbeigeführten neuen Betriebsformen
, die das persönlich einheitliche Schaffen
des Handwerkers zerlegten in zwei getrennte
Funktionen: in die des Technikers
und in die des Kaufmanns, während sie für
die erste Tätigkeit des Handwerkers, nämlich
die des entwerfenden Künstlers, keinen Ersatz
schuf. Wo sich das Bedürfnis nach künstlerischer
Arbeitsleistung einstellte, da lag die
Fürsorge hierfür in den Händen eines kaufmännischen
oder technischen Leiters, der
nun entweder sogenannte Künstler in das
technische Bureau des Betriebes einstellte
oder die Entwürfe von auswärts bezog. Irgendein
selbständiges Urteil über den künstlerischen
Wert dessen, was er auf diesem
Wege erhielt, konnte er nicht haben: dazu
fehlte ihm Vorbildung und Schulung des
Geschmacks. Hierzu kam bei vielen Industrien
die Notwendigkeit, in rascher Aufeinanderfolge
dem Markt neue Erzeugnisse
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