Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 331
(PDF, 147 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0366
-b^> J. P. GROSSMANN ALS GARTENGESTALTER <ös^

j. p. grossmann-leipzig « « aus dem garten des herrn bankier eberlein in pössneck (vgl. Seite 330)

Seine Erfolge bei den Wettbewerben der
letzten Jahre hat er gerade auf dem Gebiete
der Parkgestaltung und Friedhofsanlage erlangt.
Was er bisher in „landschaftlicher" Hinsicht
geleistet, läßt sich leider durch Bilder noch
nicht illustrieren, denn die jungen Parks zeigen
vielleicht erst in einem Jahrzehnt diejenigen
Formen, welche die Ideen des Gestalters
widerspiegeln. Soviel man aber aus den Entwürfen
entnehmen kann, läßt sich sagen, daß
er auch als „Landschaftsgestalter" seine eigenen
Wege geht.

Wie er die Vorwürfe individuell behandelt,
beweisen vor allem die von ihm projektierten
großen Friedhöfe. Gerade eine solche Anlage
stellt unendlich viele Bedingungen, die der
Gestalter berücksichtigen muß. Daher kommt
es, daß die meisten bestehenden Friedhöfe
wohl technisch ganz zweckmäßig sein mögen,
künstlerisch aber langweilig wirken. Gilt es
doch in erster Linie, den Friedhof als einen
klar und übersichtlich sich aufbauenden Organismus
zu gliedern, der allen technischen
Anforderungen gerecht wird. Gleichzeitig soll
er aber auch keine nüchternen Grabfelder
bieten, sondern in seinen einzelnen Teilen
etwas von der friedlichen Abgeschlossenheit
und traulichen Ruhe unserer alten kleinen
Gottesäcker atmen. Es ist in letzter Zeit über
Friedhofsanlagen viel geschrieben und gestritten
worden, was uns fehlt, sind noch die
guten Beispiele, d. h. Anlagen, welche von
Künstlern ausgeführt wurden, die die architektonischen
Momente eines Friedhofs in richtiger
Weise mit landschaftlichen Prinzipien
zu vereinigen wissen. Was in Ohlsdorf, München
u. a. O. bisher geleistet wurde, bietet gewiß
viele gute Anregungen, aber deren sind
es noch zu wenige. Ich finde, die „Fachmänner
" beginnen schon wieder die Zirkel der
Künstler zu stören mit ihrem Rufe und ihrem
Verlangen: „Der Friedhof gehört dem Friedhofsgärtner
." Da ist es denn gut, wenn Gartenarchitekten
, deren künstlerischer Blick noch
nicht durch allzuviel sogenannte „Fachkenntnis
" getrübt ist, sich zur Geltung bringen.

Camillo Karl Schneider

Herr Grossmann hat kürzlich in Berlin (Viktoriastraße
20) mit Geschäftsstellen in Hamburg, Dresden
und Leipzig ein neues Unternehmen > Deutsche Werkstätten
für Gartenkunst« ins Leben gerufen, um durch
praktische Tätigkeit das Verständnis für die neuzeitlichen
Bestrebungen im Gartenbau in weiteren Kreisen
zu wecken. Das ist aber das Wichtigste, durch
gute, aus bestimmten Zwecken und Bedingungen
herausgewachsene Beispiele zu zeigen, was und
wie man es besser machen kann, und je öfter Männer
wie Grossmann vor solche neue Aufgaben gestellt
werden, desto eher dürfen wir hoffen, von der bisherigen
Schablone loszukommen.

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