Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 345
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NEUE DEUTSCHE SILHOUETTEN

Wenn Wagner den Tanz, der ihm den
Rhythmus des schönen Menschenleibes
bedeutet, als die älteste aller Künste feiert,
so dürfte die Kunst der Silhouette kaum
viel jünger sein. Freilich würde man alsdann
besser tun, den Namen ihres Taufpaten,
des allzu sparsamen Finanzministers Etienne
de Silhouette, nach dem man schließlich alles
Einfache, Bescheidene ä la Silhouette benannte,
beiseite zu lassen und das Wort „Schattenriß
" dafür zu wählen. Und ein Schattenriß
war ja die primitive Urform, in der jene korinthische
Jungfrau, als sie den Schatten ihres
Geliebten an der Wand nachzeichnete, ein
Umrißbildnis festhielt. Die Sage hat dann
eine artige Wiederholung auf dem im Besitze
des Fürsten Hugo Dietrichstein befindlichen
Familienbild gefunden, auf dem die Fürstin

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vor einer Wand sitzt, während der Fürst den
durch eine Blendlampe entstandenen Schattenriß
nachzeichnet und die Kinder teils mit
einem Hündchen dasselbe Verfahren erproben,
teils auch mit ihren Händchen und Fingerchen
allerlei Schattenrißgetiere an der ohnehin
mit ausgeschnittenen Silhouetten verzierten
Wand erstehen lassen. Man kann dieses berühmte
Bild ruhig als die künstlerische Glori-
fikation der Silhouette bezeichnen. Was dann
die verschiedenen Spielarten der gezeichneten,
getuschten, gestochenen Silhouette anbelangt,
so können wir auf diese hier nicht eingehen,
da wir es heute nur mit der reinen Ausschneidearbeit
zu tun haben. Auch sie
hängt selbstverständlich mit dem Schattenriß
aufs engste zusammen, wobei es eine müßige
Frage bleibt, welche von beiden älter ist.

Die letzten zehn Jahre haben auf diesem
Gebiete interessante Entdeckungen gebracht.
Wir wissen heute, daß die älteste, bisher
überhaupt feststellbare geschnittene Silhouette
ein Albumblatt von J. D. Schaeffer in Tübingen
aus dem Jahre 1631 ist, während Werkmeisters
Kunsthandlung, Berlin, uns vor einigen
Jahren ein Heft mit heiteren Schnitten weiß
auf schwarz aus dem Jahre 1653 vorführte.
Diesen Entdeckungen folgten andere: der
Hamburger Lichtwark führte uns den berühmten
Maler Ph. O. Runge (1777—1810)
als eminenten Silhouettenschneider vor, in
Stuttgart entdeckte man vor kurzem in einer
von Pazaurek veranstalteten Ausstellung als
ganz erstaunliches Silhouettentalent Louise

Dekorative Kunst. XTT 8 Mai 1*04.

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