Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 353
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ARCH. FRANZ MAYR- SCHLEDERLOH

■1 —

HAUS FRISIA IN BAD TÖLZ

LANDHAUSER VON FRANZ MAYR-SCHLEDERLOH

Es gibt in der Kunst zweierlei völlig verschiedene
Arten der Begabung. Die ursprünglichere
tritt mit einer fertigen Welt auf.
In früher Jugend schon offenbart sie bestimmte
Ideen, die nur der Reife, des Ausbaus
bedürfen, und der ganze Lebensgang
solcher Talente bedeutet meist nur einen mehr
oder minder starken Kampf mit der Technik.
Die andere Anlage, die zu denselben Höhen
sich entwickeln kann, ist wesentlich anders
gebaut. Ihre Ideale liegen hinter dichten
Nebeln, durch die sie sich in einem ununterbrochenen
Aufstieg durchzuwinden hat, bis
sie endlich auf den Gipfel gelangt, den ihre
Sehnsucht ahnte, und der die Rätsel löst, die
bisher in ihrer Seele geschlummert hatten.

Franz Mayr gehört zu den letzteren Naturen
. Wer seine Bauten aufmerksam prüft,
dem ist es ein Genuß, dieses gewaltige Ringen
um den persönlichsten Ausdruck dessen zu
verfolgen, was in einer bestimmten Periode
seiner Entwicklung ihm als das höchste Ziel
vorschwebte. Selbstverständlich steckt in den
Jugendarbeiten solcher Talente eine starke

Gebundenheit an Richtungen, deren sie sich erst
allmählich entledigen können, aber umso merkwürdiger
ist es, daß gerade aus dieser Neigung
zur Anpassung,dietausende von Talentenkünst-
lerisch für immer zugrunde zu richten pflegt,
Franz Mayrs individuellste Stärke erwuchs.
Gerade in dieser scheinbaren Abhängigkeit von
fremden Einflüssen, von der Umgebung ist der
tiefste Kern seiner Begabung zu suchen. Denn
er verwendet diese Feinfühligkeit nicht zu
bequemen Nachbetereien, sondern in erster
Reihe dazu, eine Forderung zu erfüllen, die
wir heute allen übrigen voranzustellen pflegen.

Er versteht es nämlich geradezu meisterhaft
, seine Bauten dem Gelände anzupassen.
Die Tölzer Villen bieten hiefür den besten
Beweis. Das sind nicht deutsche oder bayerische
Häuser, das ist völlig bodenständige
Tölzer Kunst, die aus der wundervollen Lage,
in die sie gestellt sind, wie schlichte Naturprodukte
herauswachsen. Diese Villen sind Ueber-
setzungen des alten, stolzen Isarschlosses ins
Bürgerliche. Turm und Ringmauern sind weggefallen
, und der Eindruck des Herrenhauses

Dekorative Kunst. XII. 8. Mai 1909

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