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-sMsd> LANDHÄUSER VON FRANZ MAYR
arch. franz mayr - sch lederloh landhaus röntgen in weilheim
komponiert wurden, bei aller Schlichtheit der
Fassade gewinnen. Was zeichnet denn so
viele der besten Erzeugnisse des Mittelalters
aus? Ein individuelles Dach, geschmackvoll
gruppierte Fenster und eine höchst einfache
Mauer. Dieser Tatsache hat sich Franz Mayr
in seinen Bauten nicht verschlossen. Es
scheint mir aber, als wenn das weniger ein
Produkt rechnerischer Ueberlegung, als vielmehr
eine allmählich gewachsene Anpassung
bedeutete. So ähnlich wie er die Tölzer Landhäuser
aus dem Boden heraus entstehen läßt,
wie die Villa des Intendanten Hoffmann in
Feldafing sich dem Starnberger See anschmiegt
und das Breslauer Haus Lauterbach sich
schlesisch bewährt. Für seine beste Arbeit
halte ich das Wohnhaus des Dr. Blechschmidt
in Karlsruhe. Hier sind besonders die Verhältnisse
der Fenster zur Fassade sehr geschickt
erfunden, und das Dach — es erinnert
an die Schwarzwälder Typen — zeigt auffallend
schöne Linien. Einen gediegenen Eindruck
macht auch die Villa des Geheimrats Röntgen
in Weilheim.
Was die Inneneinrichtung anbelangt, ist die
Villa Frisia in Tölz geradezu ein Musterbeispiel
, wie es nur möglich wird, wenn ein Bau
von innen nach außen mit eiserner Konsequenz
erdacht und durchgeführt wird. Wie
hier jeder Meter ausgenützt ist, und wie er
mit den von ihm entworfenen Möbeln, ohne
kitschig zu werden, weiblichem Geschmack
und Empfinden entsprach, das sind sehr
sehenswerte Dinge. Dem Ausbau der Dielen
widmet er eine besondere Liebe.
Architekt Franz Mayr lebt zurzeit in Schle-
derloh bei Icking, wo er sich in einer landschaftlich
prachtvollen Künstlerkolonie vor
Jahren schon ein Landhaus erbaute, das mit
einem Park von fünf Tagwerk Buchenwald
umgeben ist. Die Villa Schlederloh ist besonders
deswegen interessant, weil sie, obwohl
sie seine erste Jugendarbeit darstellt,
schon ein Dach von recht origineller Form
aufweist und feinfühlig in die Landschaft
gesetzt worden ist. Aber nicht in das Isargelände
, sondern in ein Waldidyll beliebiger
Herkunft. Merkwürdig, daß alle solche Talente
im Beginn mit lyrischen Erzeugnissen
auftreten, die erst allmählich ins Epische oder
Dramatische sich steigern. Schlederloh wirkt
wie ein stilles, verträumtes Märchenhaus, das
sich in einer wundervollen Einsamkeit scheu
verbirgt. j. Merkl
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