Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 369
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0404
BLUMEN UND VASEN

Schon Vorjahren hat Alfred Lichtwark in
seinemBuche „Blumenkultus" *)auf die Notwendigkeit
einer gewissen Harmonie zwischen
Vasen und den Formen und Farben der Blumen
hingewiesen, die man darin aufbewahren will.
Auch über den Mangel an guten und brauchbaren
Blumenvasen hat er geklagt und zur
Ermunterung der Industrie von den schönen
Erfolgen erzählt, welche die Gesellschaft Hamburgischer
Kunstfreunde mit den in ihrem
Auftrag und nach Zeichnungen
ihrer Mitglieder in kleinen
Töpfereien angefertigten
einfachen und billigen
Tonvasen hatte.
„Im Handumdre
hen sind die
neuen Sendungen
jedesmal
vergriffen
, obgleich
keinerlei Anzeigen
gemacht
werden
, und es
kann dem Bedarf
nicht entferntgenügt
werden
." Der Beweis
für das Bedürfnis ist
also längst erbracht,
und es fehlt nur der Fabrikant
, der es wagt, gutgeformte
einfache Vasen aus un
durchlässigem Material und mit
schönen einfarbigen Glasuren, zum Preis von
50 Pfennigen bis 1 Mark, auf den Markt zu
bringen. Ein Massenabsatz wäre ihm sicher.
Aber die neuen Muster der Glasfabriken haben
selten praktische Formen und meist ganz unbrauchbare
fade Farben in rosa, gelben und
blauen Tönen, und die keramischen Anstalten
ziehen es vor, reich verzierte Prunkvasen an die
Fünfgroschenbazare und Warenhäuser zu
liefern, ohne zu bedenken, daß eine Vase sich
der Schönheit des Blumenstraußes unterordnen
soll, also nicht durch aufdringliche
Verzierungen die Blicke auf sich lenken darf.
Die kostbaren Erzeugnisse unserer großen
Porzellanfabriken undder Darmstädter Keramischen
Manufaktur, die Läuger-Vasen, die Arbeiten
der Wiener Keramik-Werkstätte sind

pflaumen- und mandelbluten
in graugrüner vase «

*) Verlag Bruno Cassirer,
gäbe M. 1.20.

Berlin, Volksaus-

als Kunstwerke und Luxusgerät zu werten,
aber auch die gute Gebrauchsware z. B.
die Vasen der keramischen Kunstanstalt von
Carl Weiß in Darmstadt (vgl. Abb. Seite 286)
— ist bei aller Preiswürdigkeit noch zu teuer,
um sich ein paar Dutzend Vasen hinstellen
zu können und darunter die für die einzelnen
Blumen passendsten auszuwählen. Sind wir
von diesem Ziel also auch heute noch weit
entfernt, so sei doch auch an dieser Stelle
auf die Erzeugnisse der genannten
Darmstädter Anstalt hingewiesen
, deren wohlfeile
Vasen in edlen Formen
und diskreten
Farben uns
ihm immerhin
näherbringen.

Blumen
sindnichtnur
das reizvollste
und lieben
swiirdig-
steGeschenk,
das wegen
seiner Unauf-
dringlichkeit
und — Vergäng-
chkeit wohl im-
iv Freude macht
sich von den als
Gelegenheitsgeschenken
angepriesenen „Galanteriewaren
" nur selten behaupten läßt),
sie sind auch der natürlichste
Schmuck unserer Wohnungen im Alltag sowohl
, wie bei festlichen Gelegenheiten. Umso
überraschender mag die Gleichgültigkeit
sein, mit der man allgemein ihre Anordnung
und dekorative Verwendung behandelt. Ganz
abgesehen von dem Verfahren der großen
Blumengeschäfte und Bindereien, denen die
Blumen nur Material sind, um Bukets, Kränze,
Anker, Kreuze, Kissen und andere künstliche
Gebilde daraus zu formen, wobei die natürliche
Schönheit der einzelnen Blüten meist rettungslos
verloren geht und im günstigsten Fall ein
duftig liebliches Gemisch heiterer, harmonisch
verteilter Farben entsteht, wird auch im häuslichen
Blumenkultus auf die feinsten Schönheitswirkungen
der einzelnen Blüten viel zu
wenig Rücksicht genommen. Hier können wir
von den Japanern lernen, für die das Arrangement
geschnittener Blumen eine seit Genera-

was

Dekorative Kunst. XII. 8. Mai 1909.

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