Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 381
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-*^> MAXIMILIAN DASIO <^-^

Schrift ist dem Rund gefolgt
— das Rund ist beherrscht
. Und wie gern hat
schalkhafter Humor dem
stilgerechten Meister das
kompositionelle Rätsel lösen
helfen. Ein Schalk löst
das Rätsel der Sphinx. Jene
holzgeschnitzte Plakette ist
eine der lustigsten Schöpfungen
Dasios — und vielleicht
kommt sie am nächsten
dem Begriffe seines
Ingeniums.

Das Lachend-aller-Schwie-
rigkeiten - Herrwerden hat
sich Dasio aber zweifellos
durch rastloses künstlerisches
Studium erwerben
müssen, — andererseits ist
eben das sein eigenster
Drang: dienend Werte zu
schaffen unserer Zeit und
ihrem Alltag Freude und
Licht.

Wie kam denn Dasio zum
Gedanken, auch auf einem
Gebiete sich zu versuchen,
das nicht dem Maler sondern
dem Bildhauer gehört?
War es etwa Ueberdruß am
Malen oder Radieren? Oder
war es die Sucht, als möglichst
vielseitiger Künstler
zu glänzen? Jenes wäre
nichts Schlimmes, und dieses wäre gewiß nichts
Unrühmliches. Aber zu Dasios Art paßt so
wenig das eine wie das andere, und mit welch
frohem Nachdruck nennt er sich gerade auf
seinen Medaillen D asi o - pi c t o r!

Etwas Uebermütiges, die Lust zum ordentlich
zugreifen schaut ja wohl aus allen seinen
Schöpfungen heraus. Sogenannte „hohe Aspirationen
" sind gerade ihm völlig fern.

Ihn packte das gräßliche Verwahrlostsein
von jedem künstlerischen Empfinden in all
den kleinen Devotionalien der Kirche. Die
trostlos fabrikmäßige Auffassung all der Gnadenpfennige
, die bei den Wallfahrtsorten verkauft
werden, massenhaft ins Volk kommen,
aber so gar nichts mehr von gesunder Ursprünglichkeit
haben. Sein erstes derartiges
Werkchen war ein solcher Gnadenpfennig; — in
den Knopf einer großen Stahlschraube hatte er
vorher zu schneiden versucht. Festzeichen und
Vereinszeichen folgten. Es war also ein Dienenwollen
unserer Zeit mit einfachsten, aber künstlerisch
durchlebten und werkgerechten Gaben.

FARBIGER LINOLEUMSCHNITT: DER SCHAFER

Dasios, des autodidaktischen Meisters, Medaillen
werden ganz zweifellos erst recht
dann im höchsten Werte stehen, wenn andere,
von guten Theorien von Anfang an belehrt,
ähnliche Werke geschaffen haben, die zwar
peinlicher ausgeführt, aber trockener gegeben
sein werden.

Theoretisieren und — Selbsterkennen, das
Werkgemäße (Stilgemäße) sind freilich
zweierlei Dinge. Auch dafür gibt uns Dasios
Art und künstlerische Entwicklung bestes
Beispiel. Er ist bewußt oder unbewußt ein
Meister stilgerechten Schaffens, wie nur irgend
einer jener großen Wiederanfänger der
„Renaissance" diesseits oder jenseits der Alpen,
und wohl naturgemäß wurde er ein solcher
Meister, weil er, wie jene, Werkstattkünstler,
nicht Akademiker sein wollte, und weil er, wie
jene mehr und zu allererst dem Leben dienen
wollte — aus angeborenem Gefühl des
Verpflichtetseins.

Wer sich recht in Dasios Schaffen vertieft
— und wie freue ich mich, ihn bei seiner

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