Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 393
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DIE INTERNATIONALE VOLKSKUNST-AUSSTELLUNG IN BERLIN

KÖNIGREICH SACHSEN

HOLZSCHNITZEREI

DIE INTERNATIONALE VOLKSKUNST-AUSSTELLUNG IM

LYZEUM-KLUB ZU BERLIN

Die Architektur, die Raumkunst fehlen auf
dieser Ausstellung. Das liegt in der Sache;
das Material wäre ins Unendliche gewachsen.
Aber man kann sich die Volkskunst nicht ohne
diese denken, die Voraussetzungen sind. Sie
geben erst dem Ganzen den Zusammenhang.
In dem Hausbau erfuhr die Volkskunst ihren
natürlichen Ursprung. Sie paßte sich den Bedingungen
an und schuf Typen; jede Gegend
hat ihr besonderes Haus. Die Architekten entnehmen
hier entscheidende Anregungen, sei
es in sklavischer Nachahmung oder in ver-
ballhornisierender Verschönerung oder, wie
es recht ist, in verständiger Kritik. Dem schließt
sich die Raumkunst an, die in jedem Bezirk
verschieden charakteristische Interieurs lieferte
, die wir kennen, die in den Museen uns
entzücken. Auch dies Vorbild hat gewirkt,
im schlechten und im guten Sinn, zur Selbständigkeit
oder zur Maskerade anregend.

Nun erst kommt die Kleinkunst, das Kunstgewerbliche
, das hier den Kern des Ganzen
bildet, jene vielen Dinge des alltäglichen Lebens;
von der Tracht anfangend bis zu Löffel und
Handtuch.

* #

*

Die retrospektive Abteilung, die in
weiser Beschränkung nur die Bezirke Deutschlands
gibt (diese Abteilung ist künstlerisch
diszipliniert, das Verdienst Prof. Stoevings),
bringt eine ziemlich vollständige Uebersicht
über die Spezialgebiete. Natürlich ist Vollständigkeit
hier nie erreichbar. Jeder Bezirk
hat sein Leben und Sein für sich.

Der Sache ist diese Einschränkung förderlich
. Es lohnt, die Gebiete des kunstgewerblichen
Schaffens zusammenzustellen, auf denen
die einzelnen Provinzen tätig waren, und damit
festzulegen, wo Besonderes geleistet wurde.
Dadurch kommt Gliederung in die Massen.
Es ist eigentümlich, wie bald man, hat man
erst einen Ueberblick gewonnen, die einzelnen
Provinzen in ihrem Charakter erkennt:
die schwere, dunkle westfälische Art, den
französisch lichten und hellen Charakter Lothringens
, Sachsens bewegliche Note, das Kultiviertere
der Mittelländer, Bayerns derbe Erscheinung
, die wie Karneval anmutet. Das
sind alles Typen, die nicht zufällig geprägt
sind. Hier ist Zwang und Zusammenhang,
und darin wurzelt letzten Endes die Annahme,
daß wir hier naturgewordenen, begründeten,
organischen Gebilden gegenüberstehen. Manche
Gegenstände, die im praktischen Leben
gebraucht werden, erfahren eine besondere
Gestaltung und bringen es zu einer eignen
Form; andere wieder, die nur einer besonderen
Notlage ihren Ursprung verdanken, verharren
ganz in der Form der Notdurft und
haben nur anekdotischen Wert. So der Kinderkorb
der Ostfriesen, der in den zugigen Küchen
der Ostfriesen steht, wie eine Wiege, mit Vorhängen
, die rings abschließen; das Kind liegt
darin, unten ist ein Absatz für ein Kohlenbecken
. In Dithmarschen und in Sachsen
haben die Messinglöffel eine schöne, gefällige
Form, schlicht und gedrungen und charaktervoll
. Sachsen zeichnet sich besonders durch

Dekorative Kunst. XII. 9. Juni 1909.

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