Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 410
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_20_1909/0445
-s=4^> NÜRNBERGER HANDWERKSKUNST <^=^

Unter den etwa 100 Künstlern und Kunstverwandten
, die in der zweiten Hälfte des
Jahres 1632 der Pest zum Opfer fielen, zählen
wir nach den Totenbüchern noch 20 und bei
dem großen Sterben vom Juli bis Dezember
1634 sogar 28 Goldschmiede und Juweliere,
obgleich der Höhepunkt der Entwicklung
damals bereits längst überschritten war. Bald
nach dem Dreißigjährigen Kriege, während
welcher Zeit die alten Traditionen im allgemeinen
noch eine wunderbare
Stärke bekundet hatten, tritt
dann ein merkwürdig rasches
Abflauen, ein rapider Rückgang
ein, dessen Ursachen wir hier
nicht weiter nachzugehen brauchen
. Genug, daß Nürnberg,
mochten es aucheinzelneZweige
oder Spezialitäten des Kunstgewerbes
noch zeitweilig zu einer
gewissen Blüte und zu Ansehen
bringen, seitdem mehr und mehr
aus der Reihe der eigentlichen
Kunststädte ausschied. Mit seiner
großen künstlerischen Vergangenheit
belastet oder, um mit
Ibsen zu reden, „mit einer Leiche
auf dem Rücken" trat es sogar
noch in das 20. Jahrhundert ein,
da ringsum in deutschen Landen
nach Ueberwindung der einseitig
historisch gerichteten Zeitläufte
schon lange ein wundervoll reiches
Knospen und Blühen angehoben
hatte. Wohl gab es auch

MARTIN EBERLEIN« LEUCHTER
AUSFÜHR.: HERMANN STAUCH

in Nürnberg und gerade in Nürnberg äußerst
geschickte, in allem Handwerklichen und
Technischen wohl erfahrene Kunstgewerbler,
wie sich denn gewissermaßen ein Stamm von
tüchtigen Steinmetzen, Kupferschmieden,
Messingdrechslern, Kunstschlossern u. s. f.
durch alle Zeiten erhalten, ausgezeichnete
Fertigkeiten sich von Generation zu Generation
vererbt hatten und von der alten, berühmten
, ursprünglich von Joachim von Sand-
rart begründeten, doch verschiedentlich
neu organisierten
Kunstgewerbeschule eifrig und
erfolgreich gepflegt worden waren
. Aber mehr als irgendwo
standen hier Kunst und Kunsthandwerk
im Banne des alten
Herkommens, unter derTyrannei
der alten Stile. Die schöpferischen
Kräfte aufs neue zu lebendiger
Entfaltung zu bringen, war
daher keine leichte Aufgabe;
genaueste Kenntnis der Verhältnisse
und tiefes Durchdrungensein
von der Notwendigkeit neuer
Gestaltung waren dazu dasHaupt-
erfordernis, Vorsicht und Tatkraft
mußten sich zu dem Werke
vereinigen.

Es ist wesentlich das Verdienst
des Direktors des Bayerischen
Gewerbemuseums, Oberbaurats
Theodor von Kramer
, der im Jahre 1901 an der
von ihm geleiteten Anstalt die

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