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-^4^> NÜRNBERGER HANDWERKSKUNST <^M^
dem die Ausstellung indessen nur einen in
Kupfer getriebenen Wandbrunnen, einige kupferne
Blumentopf hüllen und Jardinieren, sowie
eine mit dem Kunstschreiner Johann
Götz zusammen verfertigte einfach-schöne
Wanduhr (Abb. S. 409) aufwies, und Walter
Scherf, der künstlerische und technische
Leiter der Isiswerke, unseren Lesern
schon durch frühere Veröffentlichungen bekannt
geworden. Die Arbeiten Scherfs, unter
denen namentlich auf eine Teekanne aus Neusilber
(Abb. S. 411), eine Tabaksbüchse mit
chinesischem Amanzonith als wesentlichen
Schmuck des Deckels, einige messinggetriebene
, durch Hammerschlag natürlich dekorierte
Wasserkannen (Abb. S. 410) und die Wandleuchterplaketten
und das Altargerät der Kapelle
hingewiesen sei, repräsentieren den
künstlerischen Gesichtspunkten unterstellten
fabrikmäßigen Kunstbetrieb. Scherfs Entwürfe
beziehen sich aber nicht nur auf Metallgerät
(insbesondere auch aus Osiriszinn), auch
den für die Fassungskraft und den Geschmack
des Kindes primitivistisch stilisierten, in kräftigen
Farben leuchtenden Holzspielwaren, die
unter dem Weihnachtsbaum zu sehen und von
der Firma Johann Baudenbacher ausgeführt
waren, liegen seine Zeichnungen zugrunde.
Den Metallkunstgewerblernschließtsich endlich
noch Kurt Ziechner mit einer Reihe vortrefflicher
Silberarbeiten an (Abb. S. 417).
Architektur, Bauschreinerei und Steinplastik
sind auf der Ausstellung naturgemäß nur spärlich
vertreten; doch verdienen Ferdinand
Göschels Wandbrunnen aus Kunststein mit
der gut durchmodellierten Figur eines geschickt
umstilisierten Gänsemännchens, der die Längswand
des Eliteraumes mit seinen ruhigen Formen
und dem frischen Grün der Pflanzen
reizvoll gliederte, und desselben Künstlers
Altar in der Kapelle, ferner Hermann Schie-
mers gut durchdachte Modelle zu Brunnen
und Grabdenkmälern mit Anerkennung genannt
zu werden.
Dagegen hat sich die feinere Holzbearbeitung
stets des lebhaftesten Interesses der Meisterkursteilnehmer
erfreut, wie das bei der Rolle,
die das Holz bei der auf Wohnlichkeit, Wärme,
Heimlichkeit abzielenden Zimmereinrichtung
speziell des deutschen Hauses spielt, ja nur
selbstverständlich ist. Unter den vollständigen
Interieurs, die ausgestellt waren, sei des von dem
Kunstschreiner Paul Kohlert mit einem reizvollen
und dabei äußerst praktischen Mobiliar
aus poliertem Lärchenholz ausgestatteten Kinderzimmers
und der Küchenmöbel desselben
trefflichen Handwerksmeisters, sowie einer
von Martin Eberlein entworfenen Zimmereinrichtung
zumeist aus weißem Holz mit heiterer,
farbenfreudigerBemalung von Gustav Staiger,
EMMA VOLCK BATIK-ORNAMENT
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