Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 427
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VEREINIGTE DEUTSCHE WERKSTÄTTEN FÜR HANDWERKSKUNST

ADELBERT NIEMEYER - MÜNCHEN « SCHRÄNKE UND HEIZKÖRPERVERKLEIDUNG AUS DEM LADEN DER V. D. W.

die Ausstellung „München 1908" bei der hie-
her entsandten französischen Kommission fand,
der Blick geöffnet worden sein. Großes, beinahe
fassungsloses Erstaunen hat den Bericht
dieser Kommission diktiert, hat ihr das starke
Wort von einem „kommerziellen Sedan" abgenötigt
, dem Frankreich durch seine Lässigkeit
dem Neuen gegenüber anheimgefallen sei.

Die Geschichte unseres Kunstgewerbes spiegelt
sich aber nirgends deutlicher als in der
Entwicklung der kaufmännischen Institute, die
ihm dienten. Gerade in den letzten drei bis
vier Jahren hat diese Entwicklung ein außerordentlich
rüstiges Tempo angeschlagen.

Es hat nicht leicht gehalten, auf kunstgewerblichem
Gebiete den Kaufmann und den
Künstler zusammenzubringen. Lange haben
sie sich fremd, fast feindselig gegenübergestanden
, eine in unserer merkantilen Zeit fast
unerhörte Situation. Ward es doch beispielsweise
eine Zeitlang als Ideal verkündet, daß
der produzierende Künstler selbst zugleich
Unternehmer sei. Man fühlte eben, daß beide
Elemente zusammengehören, war sich aber
über dieForm dieser Vereinigung noch nicht klar.

Das Geld in seinem unbeirrbaren Zielstreben
hat Klarheit in die Frage gebracht. Anfangs

nur lau und zögernd Anteil nehmend, gewann
es allmählich zur kunstgewerblichen Sache
stärkeres Zutrauen und endete vorläufig damit,
diese in Formen der Großindustrie zu organisieren
. Ganz natürlich; der Großbetrieb ist,
man mag sich sonst zu ihm stellen wie man
will, die einzig zeitgemäße Produktionsweise.
Sollte das Kunstgewerbe samt allem seinem
ideellen Inhalt und seinen großen kulturellen
Werten konkurrenzfähig werden, so mußte es
zu dieser Produktionsweise übergehen. Mancher
schöne Traum von der Renaissance der
Handarbeit, von den ewigen Prärogativen der
Künstler ward damit freilich begraben, aber,
das ist meine feste Ueberzeugung, nur zum
Vorteil der Sache. Ihr tut heute Propaganda
und feste Organisation not. In ihrem Anfang
führten Habebald und Eilebeute das Regiment,
um es jetzt an Haltefest, den wackeren Mann,
abzugeben.

Erstaunlich, welch ein organisatorisches
Drängen im kunstgewerblichen Lager anhebt.
Mehrere Vermittlungsstellen sind, wenn auch
vorderhand noch in unzureichender Weise,
tätig, um Brücken zwischen der Künstlerschaft
und der Industrie zu schlagen. Und die
erwähnten kunstgewerblichen Großbetriebe

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