Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 464
(PDF, 147 MB)
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-*-4^> ELEMENTARGESETZE DER BILDENDEN KUNST <^=^

ARCH. VIKTOR KAFKA-PRAG LANDHAUS IN KRUMAU: SPEISEZIMMER

Noch ein Wort zur Exemplifizierung. Der
Verfasser lehnt es ausdrücklich ab, daß man
aus seinen negativen Beispielen irgendwelche
weitere Konsequenzen hinsichtlich seiner
Bewertung der betreffenden Künstler und
Kunstrichtungen ziehe. Sieht man aber in
Text und Abbildungen von wenigen Ausnahmen
abgesehen — das moderne Kunstgewerbe
immer nur als Lieferantin von
Gegenbeispielen beteiligt, so entsteht der Eindruck
einer gewissen Animosität gegen die
neueren Bestrebungen auf diesem Gebiete.
Es wäre vielleicht gut gewesen, der Verfasser
hätte gelegentlich ein Wort dafür gefunden,
daß unser Kunstgewerbe viele seiner anfänglichen
Fehler verbessert hat. Man kann noch
weiter gehen und sagen, daß das, was der
Verfasser in dem Buche vorträgt, Wort für
Wort mit den erklärten Tendenzen des guten
modernenKunstgewerbes übereinstimmt. Klarheit
und Uebersichtlichkeit der Gesamtform,
leicht faßliche Gliederung, exakte Betonung
der Flächen, einheitliche und geschlossene
Raumwirkung — das alles sind Ziele, die
unser Kunstgewerbe so klar als möglich ins
Auge gefaßt und in zahlreichen Gebilden verwirklicht
hat. Auf der anderen Seite hätten
sich Gegenbeispiele verschiedener Art auch

aus dem Formenvorrat vergangener Zeiten
reichlich heranziehen lassen. Es gibt Schmiedearbeiten
der Renaissance, die den schlechtesten
Erzeugnissen des Jugendstiles an Nichtswürdigkeit
gleichkommen, es gibt altvenezianische
Druckstöcke, die den Ansichten des
Verfassers über Flächenschmuck heftig widerstreiten
, hundert anderer Beispiele nicht zu
gedenken. Es ist selbstverständlich, daß dem
Verfasser diese Dinge bekannt waren; es wäre
opportun gewesen, rein des äußeren Eindruckes
wegen, auch Gegenbeispiele aus
älterer Zeit und mehr positive Beispiele aus
unserer Zeit zu wählen. Gerade einem praktischen
, für den heutigen Tag bestimmten
Werke hätte das wohl angestanden.

Von besonderem Werte für den heutigen
Kunstgewerbler scheint mir des Verfassers
genaue Scheidung zwischen wirklicher und
gestalteter (erkennbarer) Zweckmäßigkeit zu
sein. Theoretisch wird beides nur sehr selten,
praktisch fast gar nicht auseinandergehalten,
und manche ästhetische Roheit hält sich die
„wirkliche" Zweckmäßigkeit als Schild vor.
Hier wie in mancher anderen Frage könnte
das Buch Segen stiften, wenn es dasjenige
Publikum fände, das seiner seit langem dringend
bedarf. w. m.

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