Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 20. Band.1909
Seite: 466
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^sö> RADIERUNGEN <^c~

franz gehri-münchen porträt-studie

es vielleicht nicht nötig gewesen, dies alles
anzuführen. Ich glaube jedoch in diesen
Arbeiten und in dem sonstigen Schaffen Gehris,
soweit ich es kenne, Zeichen dafür zu finden,
daß es ihm um seine schöne Technik Ernst
ist. Und ferner glaube ich, daß es sich bei
Franz Gehri um eine sehr entwicklungsfähige
Begabung handelt.

Bei der Würdigung der hier beigegebenen
Illustrationen darf nicht vergessen werden,
daß die autotypische Reproduktion der Radierung
immer ihr Wesentliches nimmt, die
Integrität des Striches. Sie weicht ihn auf,
macht ihn unklar und trüb; sie verändert
die Lichtunterschiede, indem sie den Schatten
verdickt und die feinere Arbeit, besonders
die mit der kalten Nadel, so ziemlich zerstört.

Jedenfalls genügen die Proben, um darzutun
, daß Gehri das erste Erfordernis des
Graphikers besitzt: gute und fleißige Zeichnung
, und zwar Zeichnung als selbständiger
Ausdruck der Erscheinung. Ueber herausplatzende
Härten, wie der Arm des Mannes mit
dem Tränkkübel, muß man vorderhand hinwegsehen
; das sind Unebenheiten, wie sie sich aus
dem Kampfe mit der Technik anfangs immer
ergeben. Im übrigen enthält gerade dieses Blatt
in der Bewegung der Tiere und in der schönen
Bearbeitung des Grundes Feinheiten genug,
die diese Rücksichtnahme ermöglichen.

Die wenigen Blätter, die wir hier vorführen,
geben schon eine Art Entwicklungsgang zu
erkennen. Den Anfang bildet die penible,
fleißige, fast etwas mühselige Zeichenweise
der Blätter „Rast auf dem Felde" und „Mutter
des Künstlers". Hier ist die Radierung kaum
mehr als eine Reproduktionstechnik; man
erkennt das in der autotypischen Wiedergabe
sehr genau, denn „Rast auf dem Felde" macht
im ganzen beinahe den Eindruck einer spitzen
Bleistiftzeichnung. Man vergleiche damit
die badenden Knaben. Hier sind zweifellos
schon radistische Sonderwerte herausgearbeitet
, die ganze zeichnerische Auffassung
trägt das Gepräge der Technik. Der
Künstler ist bei der Aetzung kräftiger ins
Zeug gegangen, die Behandlung der Landschaft
wie der Akte ist wesentlich freier und
sicherer geworden.

Von hier aus geht es weiter, immer den
Intentionen der reinen Strichätzung folgend.
Neuere, hier nicht reproduzierte Arbeiten
des Künstlers beweisen das; sie haben eine
freie reizvolle gediegene Art, die lobenswerterweise
die gefährliche Hilfe der verführerischen
Aquatinta verschmäht. Es finden
sich in ihnen Ansätze zu einer pikanten impressionistischen
Auffassung, die sich zweifellos
noch gut entwickeln werden.

W. Michel

franz gehri-münchen « die mutter des künstlers

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