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^=4^> NEUE BÜCHER <^-*~
Größe vor jedem echten Kunstwerk
erfährt. Allerdings kann diese
Macht nur da inniger wirken,
wo eine für das innere Wesen des
künstlerischen Schaffens und Gestaltens
fein abgestimmte Empfindungssphäre
vorhanden ist. Die
liegt im Seelenleben Friedrich Naumanns
in seltenem Umfang und
großer Tiefe ausgebreitet und macht
ihn vor anderen zu solch einem
wertvollen Vermittler zwischen Bildenden
und Schauenden geschickt.
Denn schließlich beruht ja doch der
hervorragendste Wert des künstlerisch
Empfindenden in der glücklichen
Gabe, die Fülle seiner Gesichter
anderen mitzuteilen und
ihnen Auge und Sinn für die unendlichen
Schönheiten, für die befreiende
und erhebende Macht der
Kunstzu öffnen und zu erschließen.
Auch hierin ist Friedrich Naumann
ein Meister, und die innere Erholung
, die ihm seine feinen Betrachtungen
in >Form und Farbe«
selbst gebracht haben, flutet durch
das beredte und klare Wort, in
dem sie geschrieben sind, leicht
und rein auf den Leser über. So werden diese vor
den lebendigen Werken der Kunst tief empfundenen
Beobachtungen eines geistreich Schauenden und
Erlebenden zu einem wertvollen Führer für jene
Tausende, die hier ahnend suchen, ohne allein finden
zu können. w-
»Baukunst und dekorative Skulptur der
goldener halsschmuck mit
chrysopras u. schwarzer email
Renaissance in Deutschland«.
Herausgegeben von Julius Hoffmann
. Mit einer Einleitung von
Dr. ing. Paul Klopfer. Verlag
von Julius Hoffmann. Stuttgart 1909.
Geb. 25 M.
In den zahllosen Reproduktionswerken
, die uns die letzten Jahre
geschenkt haben (das zwanzigste
Jahrhundert beginnt rein literarisch
mit einer so atemlosen Retrospektive
, daß wir das Tempo des so oft
als rein historisch empfindend verschrieenen
, neunzehnten schon
längst überholt haben) — spielt die
Zeit des Barock bis zu der des
Biedermeier die erste Rolle. Was
an Louis XV und Louis XVI vollends
aus Frankreich kam und
kommt, spricht für die Entwicklung
der Moderne bei unseren westlichen
Nachbarn Bände. Zur rechten
Zeit also, schon durch den
Gegensatz zu der nachgerade fatalen
Urgroßväterbegeisterung wirkend
, tritt dieser schmucke Band
mit seinem Halbtausend Bildern
hervor. Es ist wirklich so, wie
Klopfer in der frisch geschriebenen
Einleitung ausführte: es tut not, daß wir uns
nach der glücklich überwundenen Renaissancewelle
der Gründerjahre einmal besinnen, welchen Reichtum
an Phantasie und Liebenswürdigkeit uns die
Zeit der Holl und Lotter, der Lüder von Bentheim
und Riedinger, beschert hat. Daß wir die unendlich
formenfrohe Synthese zwischen Romanis-
artur berg er-stuttgart « hutnadel u. goldene halsketten, die rechte mit malachitkugeln u. email
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